Interview mit Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum, der im Henkel Sustainability Council den Unternehmensbereich Wasch-/Reinigungsmittel repräsentiert

Bei Henkel soll jedes neue Produkt einen Beitrag in mindestens einem der Henkel-Fokusfelder leisten. Warum ist das so wichtig?

Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum: Der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung sind meiner Meinung nach Innovationen. Unsere Innovationen sollen einen neuen Qualitätsstandard im Markt setzen: Neben bester Produktleistung ist die Verantwortung für Mensch und Umwelt inzwischen das, was gute Produkte auzeichnet. Für uns in der Forschungsabteilung heißt das, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette eines Produkts betrachten, von der Auswahl der Rohstoffe, über Produktion und Transport, bis hin zu Anwendung und Entsorgung. So finden wir geeignete Ansatzpunkte für Produktverbesserungen und Beiträge zu unseren Fokusfeldern.

Wie bekommen Sie denn einen Überblick über die vielen Stellschrauben, an denen gedreht werden kann?

Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum: Zu diesem Zweck haben wir unsere Fokusfelder systematisch in unseren Forschungsprozess integriert. Das heißt, unsere Forscher müssen an einem bestimmten Punkt im Innovationsprozess aufzeigen, welche konkreten Vorteile ihr Projekt leistet – in Bezug auf die Produktleistung, aber auch in Bezug auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeitskriterien. Ist eine Innovation zum Beispiel leistungsstärker als Vorgänger-Produkte, kann sie etwas völlig Neues? Und eben auch: Wird dieses Produkt effizienter hergestellt? Kann die Wasch- oder Spültemperatur ohne Leistungsverlust reduziert werden? Werden durch intelligentere Chemie weniger und erneuerbare Rohstoffe verwendet? So betrachten wir ganz genau die gesamte Wertschöpfungskette und erfassen den Mehrwert, den ein Produkt bietet, ebenso wie die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks. Die Ergebnisse laufen dann in unserem „SustainabilityMasters®“ zusammen. Mit dieser von Henkel entwickelten Bewertungsmethode kann aufgezeigt werden, ob Produkte und Prozesse im Vergleich zur Ausgangslage nachhaltiger sind.

Das klingt insgesamt sehr aufwendig …

Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum: Ja, aufwendig, aber lohnenswert. Und der Prozess ist natürlich nie abgeschlossen. Daher kooperieren wir auch sehr intensiv mit Rohstofflieferanten, anderen Herstellern und externen Forschungseinrichtungen, um die neuesten Trends und Technologien in unsere Produktentwicklung zu integrieren. Wer gleichzeitig auf den Gebieten Innovationen und Nachhaltigkeit führend sein will, muss in Zukunft eines noch besser können als heute schon: Partnerschaften mit allen Teilnehmern der Wertschöpfungsketten eingehen, also auch über unsere direkten Kunden und Lieferanten hinaus. „Cross-Industry Innovation“ nennt die Fachwelt diese Form der Kooperation, quasi eine Art Weiterentwicklung von „Open Innovation“. Stellvertretend nenne ich die intensive Zusammenarbeit mit den Herstellern von Haushaltsgeräten, um unsere Produkte in Kombination mit Wasch- und Spülmaschinen noch effizienter zu machen.

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