Interview mit Dr. Peter Florenz, der im Henkel Sustainability Council das Thema Governmental Relations repräsentiert

Die Mitgestaltung politischer Entscheidungen durch Unternehmen – sogenanntes Corporate Lobbying – wird in der Gesellschaft oft kritisch gesehen…

Dr. Peter Florenz: Das ist leider so, wenn auch aus unserer Sicht in der Regel ungerechtfertig. Denn nicht nur für Unternehmen, auch für die Gesellschaft ist Lobbying sinnvoll und nützlich. Die Vorbereitung von politischen Entscheidungen braucht den Input aller gesellschaftlichen Gruppen, um faire, verantwortungsvolle und ausgewogene Lösungen zu finden. Zu diesen Gruppen gehören selbstverständlich auch Unternehmen. Wir bei Henkel werden immer wieder aktiv von Politikern und Regulatoren nach unserer Meinung und Expertise zu spezifischen Themenstellungen gefragt – besonders, wenn es um Themen geht, die unsere Geschäftsfelder direkt betreffen und zu denen wir durch unser Engagement im Industrie- und Konsumgüterbereich im Laufe der Jahre wertvolle Erfahrungen sammeln konnten. Voraussetzung ist natürlich, dass der Dialog offen und transparent geschieht.

Wie kann das sichergestellt werden?

Dr. Peter Florenz: Zum Beispiel hat sich Henkel im vergangen Jahr in das Transparenz-Register der Europäischen Kommission eingetragen. Dieses freiwillige Register macht die Mitarbeit von Unternehmensvertretern in den verschiedenen Arbeitsgruppen transparent. Wir wollen damit offen zeigen, zu welchen Themen wir die Entscheidungsfindung der Europäischen Kommission mitgestalten. Intern haben wir darüber hinaus klare Regeln in Bezug auf unsere Lobbying-Aktivitäten festgelegt und im Standard „Representation of Interests in Public Affairs“ veröffentlicht.  Diese Regeln schließen übrigens ein, dass Henkel keine politischen Parteien mit finanziellen oder anderen Zuwendungen unterstützt.

Warum ist es für Unternehmen wie Henkel überhaupt wichtig, Einfluss auf die Diskussion in Politik und Verbänden zu nehmen?

Dr. Peter Florenz: Vor allem, um dazu beizutragen, dass Gesetzesvorhaben in der Praxis umsetzbar sind und damit den gewünschten gesellschaftlich relevanten Steuerungseffekt erzielen. Aktuell sind die Sektoren Chemie und Konsumgüter stark im Fokus der Regulatoren. Dies sind zwei Bereiche mit unmittelbarer Relevanz für das Henkel Geschäftsumfeld. REACH oder der EU-Aktionsplan für Nachhaltigkeit in Verbrauch und Produktion sind hier Beispiele. Indem wir uns in die Erarbeitung dieser Regelwerke einbringen, kommunizieren wir als Unternehmen unsere eigenen Interessen und Erfahrungen sowie die unserer Mitarbeiter, Kunden und Konsumenten. Wir bieten quasi eine Art „Realitätstest“ für politische Entscheidungen. Das machen wir übrigens nicht nur als einzelnes Unternehmen. Oft ist es effizienter, mit anderen Unternehmen in Verbänden und Arbeitsgruppen eine Meinung zu bilden, und dann – unter strikter Beachtung von Compliance und Antitrust-Regeln – mit gemeinsamer Stimme zu sprechen. Daher engagieren wir uns in vielen nationalen und internationalen Projekten und freiwilligen Initiativen.

In welchen denn zum Beispiel?

Dr. Peter Florenz: Wir sind seit langem aktives Mitglied im Internationalen Wasch- und Reinigungsmittelverband (A.I.S.E.). Seit 2005 haben wir uns der bisher einzigartigen freiwilligen Nachhaltigkeitsinitiative „Charter für nachhaltiges Waschen und Reinigen (Charter for Sustainable Cleaning)“ verpflichtet, in der es vor allem darum geht, die Standards für die Herstellung und Anwendung von Wasch- und Reinigungsmitteln immer weiter zu verbessern. Die aktuell 130 beteiligten Unternehmen aus Industrie und Handel decken über 80 Prozent der in Europa hergestellten Wasch- und Reinigungsmittelmenge ab. Auch zum Thema REACH oder der Anerkennung von alternativen Testmethoden, die Tierversuche ersetzen können, sind wir auf europäischer Ebene in Arbeitsgruppen involviert. Immer wichtiger für uns wird außerdem die Zusammenarbeit mit unseren Kunden –  beispielsweise im von WalMart gegründeten „Sustainability Consortium“, das die Messbarkeit von Nachhaltigkeitsleistungen überprüft. In Deutschland und den USA beteiligen wir uns an Gemeinschaftsprojekten mit Partnern aus Forschung, Industrie, Handel, Politik und Nichtregierungsorganisationen zur Entwicklung einer belastbaren und international einheitlichen Methode zur Berechnung von „CO2 Fußabdrücken“ von Produkten. Denn wir sehen es als Teil unserer Verantwortung, nicht nur bestehende Standards einzuhalten, sondern auch neue mitzugestalten.

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