Interview mit Enric Holzbacher, der im Henkel Sustainability Council das Marketing im Unternehmensbereich Adhesive Technologies repräsentiert

Henkel hat fünf Fokusfelder einer nachhaltigen Entwicklung definiert. Welche sind für Ihren Unternehmensbereich besonders relevant?

Enric Holzbacher: Da unser Portfolio sehr viele unterschiedliche Produkte umfasst, kann je nach Kategorie potenziell ein anderes Fokusfeld im Vordergrund stehen. Allerdings zeigt sich, dass die Mehrheit unserer Produkte Beiträge zu den Fokusfeldern „Gesundheit und Sicherheit“ sowie „Energie und Klima“ leisten. Daher haben wir beschlossen, diese beiden Themen als Schwerpunkt für unsere Produktentwicklung zu definieren.

Mit welchem Ergebnis?

Enric Holzbacher: Für das Fokusfeld „Gesundheit und Sicherheit“ zum Beispiel haben wir im vergangenen Jahr große Fortschritte beim Thema Lösemittel erzielt. Diese werden aufgrund möglicher negativer Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt oft kontrovers diskutiert. Wir arbeiten zwar seit langem daran, Lösemittel in den Rezepturen unserer Produkte zu ersetzen, doch durch Akquisitionen kamen immer wieder neue lösemittelhaltige Produkte ins Sortiment. Deshalb haben wir uns 2010 das Ziel gesetzt: Bis 2020 verringern wir den Lösemitteleinsatz in Konsumenten-Klebstoffen um 50 Prozent im Vergleich zu heute. Unsere Vision ist, bis 2030 in allen Kontakt- und Montageklebern für Konsumenten komplett auf Lösemittel zu verzichten.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Enric Holzbacher: Die Umstellung wird in mehreren Stufen erfolgen: Erst haben wir dort angefangen, wo die Gesundheitsgefährdung durch Missbrauch unserer Klebstoffe am wahrscheinlichsten war und dort, wo es technisch und marktseitig möglich war; Seit Ende 2010 sind weltweit die Stoffe Toluol und Methylenchlorid aus allen Henkel-Konsumentenklebstoffen verschwunden. Hierfür konnten wir uns auf Erfahrungen aus Chile stützen: Henkel Chile hat bereits 1995 bei der Produktion von Klebstoffen auf die Verwendung von Toluol verzichtet, als bekannt wurde, dass diese von Straßenkindern zum Klebstoff-Schnüffeln, also als Rauschmittel, missbraucht wurden. Aufgrund der Vorreiterrolle von Henkel unterzeichnete der chilenische Präsident am 24. Dezember 1998 ein Gesetz, das die Produktion und Vermarktung toluolhaltiger Klebstoffe für den gesamten chilenischen Markt verbietet. Vom chilenischen Gesundheitsminister wurde Henkel dafür mit dem nationalen Gesundheitspreis ausgezeichnet. Damit für eine Zukunft ohne Lösemittel rechtzeitig Alternativen zur Verfügung stehen, investieren wir langfristig in die Entwicklung neuer Basistechnologien.

Und welche Beiträge leisten Sie zu dem Fokusfeld „Energie & Klima“?

Enric Holzbacher: Viele unserer Produkte haben großes Potenzial, Beiträge zum Klimaschutz zu leisten. Wir bieten verschiedene Systeme aus Fugendichtungsmassen, Isolierschäumen, Dämmplatten und Dichtfolien an, die eine professionelle Abdichtung von Fenstern, Türen und Fassaden ermöglichen. Sie erhöhen damit also die Energieeffizienz von Gebäuden. Eine Hauptaufgabe wird aber zunächst sein, Bewusstsein und Transparenz bei unseren Kunden zu schaffen. Wir müssen unnötige Energieverluste rund ums Haus aufzeigen und erklären.

Wie wollen Sie das erreichen?

Enric Holzbacher: Indem wir professionelle Beratung rund um unsere Produkte oder Instrumente wie Energierechner anbieten – zum Beispiel in Deutschland im Internet unter www.henkel321.com. Nur so können wir den Vorteil unserer Produkte für unsere Kunden sichtbar machen. In anderen Märkten wie in Mittel- und Osteuropa rufen wir Handwerkerschulen ins Leben. Hier schulen wir neben der richtigen Anwendung auch das Bewusstsein der Profis für umweltverträgliche Baumaterialien. So vermitteln wir, dass sich Investitionen in hochwertige Kleb-, Dicht- und Isolierstoffe langfristig auszahlen.

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