Interview mit Dirk-Stephan Koedijk, der im Henkel Sustainability Council das Thema Compliance repräsentiert

Warum ist es wichtig, eine Compliance-Abteilung zu haben? Wird den Mitarbeitern nicht zugetraut, sich ethisch und rechtlich angemessen zu verhalten?

Dirk-Stephan Koedijk: Es geht nicht darum, dass wir unseren Mitarbeitern misstrauen! Vielmehr ist uns wichtig, sie zum Beispiel bei Interessenkonflikten im Arbeitsalltag zu unterstützen und zu beraten. Denn Gesetze und Vorschriften müssen eingehalten werden, um Schaden sowohl vom Unternehmen als auch von den Mitarbeitern abzuhalten. Da wir global tätig sind, werden unsere Mitarbeiter mit unterschiedlichen Rechts- und Wertesystemen konfrontiert. Da ist es nicht immer einfach, zu wissen wie man sich in einer bestimmten Situation verhalten soll. Denn Gesetze und kulturelle Gepflogenheiten unterscheiden sich nun mal.

Wie können sich Mitarbeiter denn informieren, um sich richtig zu verhalten?

Dirk-Stephan Koedijk: Wir haben Regeln zum richtigen Verhalten aufgestellt, die weltweit gelten und in unserem Code of Conduct schriftlich festgehalten sind. Unsere Codes und Standards sind verpflichtend für alle Mitarbeiter an allen Standorten sowie für unsere Lieferanten und Vertragspartner. Jeden Verstoß gegen unsere Standards lehnen wir ab, denn Verstöße bergen Risiken: Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die enormen Schaden dadurch genommen haben, dass sie eben nicht Recht und Gesetz eingehalten haben. Wir sind der Überzeugung, dass nur saubere Geschäfte gute Geschäfte sind. Außerdem würden wir mit regelwidrigem Verhalten wie Bestechung oder Wettbewerbsabsprachen gewissermaßen selbst unser Geschäftsmodell untergraben – in Bereiche wie Marketing oder Forschung zu investieren, nutzt dann nicht mehr viel.

Welche Möglichkeiten haben Sie denn, ein Bewusstsein für die Wichtigkeit von Compliance zu verankern?

Dirk-Stephan Koedijk: Es ist ganz klar, dass die besten Compliance-Organisationen nichts bewirken, wenn die Mitarbeiter kein Gefühl für das richtige Verhalten entwickeln. Deshalb trainieren wir unsere Mitarbeiter in Compliance-Fragen weltweit durch Schulungen; im Jahr 2010 wurden 23.550 Trainings von Mitarbeitern gemeldet, die online oder persönlich durchgeführt wurden und zwischen zwei Stunden und zwei Tagen dauerten. Durch solche im Unternehmen verankerten Trainings sinkt dann auch die Rate der unwissentlich begangenen Verstöße. Diese Verstöße resultieren oft aus Interessenskonflikten, zum Beispiel bei dem Thema Geschenke – das richtige Fingerspitzengefühl ist dann gefragt, um Bestechung zu erkennen. Dass allerdings die Auslegung von Sachverhalten und das subjektive Empfinden sehr unterschiedlich sein können, wissen wir. Deshalb bieten wir speziell Mitarbeitern, die in bestimmte Länder gehen, ein Training an, um sie und unser Unternehmen zu schützen.

Wie stellen Sie sicher, dass das Thema Compliance auch gelebt wird?

Dirk-Stephan Koedijk: Wir führen regelmäßige Audits durch und beziehen in unsere Compliance-Checks auch unsere Lieferanten mit ein. Unser Prinzip ist „Null Toleranz“ und so verfahren wir auch. Außerdem schult die Konzernrevision unsere Top-Manager durch regelmäßige Trainings in unseren Corporate Standards und macht ihnen bewusst, dass ihr Verhalten einen großen Einfluss auf die Mitarbeiter hat. Denn wir sollten nicht vergessen, dass eine besondere Rolle unseren Führungskräften zufällt: Sie haben eine Vorbildfunktion und sind dazu verpflichtet, ein ethisch und rechtlich einwandfreies Verhalten vorzuleben. Dann wird das Thema Compliance zu einem Leitbild für das tägliche Handeln aller Mitarbeiter.

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