Interview mit Alain Bauwens, der im Henkel Sustainability Council den Unternehmensbereich Wasch-/Reinigungsmittel repräsentiert

Henkel will seine Position in den Wachstumsregionen Osteuropa, Naher Osten, Lateinamerika und Asien weiter ausbauen. Wo sehen Sie dabei die größten Chancen, wo die größten Herausforderungen?

Alain Bauwens: Wirtschaftlich bieten diese Regionen große Chancen für uns. Die Bevölkerungszahlen steigen, insbesondere die der jungen Generation. In den Ländern in Nordafrika und Nahost zum Beispiel sind 30 Prozent der Einwohner unter 14 Jahre alt. Zum Vergleich: In Westeuropa sind es nur 15 Prozent. Zwar verfügt die Bevölkerung oft noch über ein geringes Einkommen, doch gerade Wasch- und Reinigungsmittel sind ein Grundbedürfnis. Daher bergen Produkte, die den Lebensumständen und Bedürfnissen dieser Menschen gerecht werden, großes Geschäftspotenzial. Doch da sind wir auch schon bei den Herausforderungen: Diese Produkte zu entwickeln, erfordert ein umfassendes Wissen über die Kultur vor Ort, die Konsumentengewohnheiten, den Handel und die Wettbewerber, um nur einige Themenbereiche zu nennen. Wir müssen uns über jede Region genau informieren, um langfristig erfolgreich zu sein.

Beziehen Sie auch soziale und ökologische Faktoren in Ihre Analysen ein?

Alain Bauwens: Auf jeden Fall, Nachhaltigkeit ist gerade in den Wachstumsmärkten ein Top-Thema. Denn durch die steigenden Bevölkerungszahlen steigt natürlich auch der Ressourcenverbrauch. Das wiederum erhöht den Druck auf die ohnehin schon strapazierten Ressourcen der Erde. Aber ein Verzicht auf Wohlstand und Konsum dieser aufstrebenden Gesellschaften kann keine Lösung sein. Stattdessen müssen wir Innovationen anbieten, die den Menschen einen besseren Lebensstandard ermöglichen – ohne gleichzeitig den Ressourcenverbrauch zu erhöhen. Wir nennen diese Kombination „innovativen, nachhaltigen Konsum“.

Das klingt abstrakt. Wie wird dieses Konzept in der Praxis umgesetzt?

Alain Bauwens: Da gibt es ganz unterschiedliche Ansatzpunkte. Ein Beispiel ist unser Engagement im „Laundry Sustainability Projects“. Dieses Programm hat der internationale Industrieverband für Wasch- und Reinigungsmittel, kurz A.I.S.E, in Märkten wie Osteuropa und jetzt auch im Mittleren Osten und Nordafrika etabliert. Im Rahmen dieses speziellen Programms verpflichten wir uns, die klassischen Pulverwaschmittel durch moderne und effiziente Kompaktwaschmittel zu ersetzen. Dadurch wird der Verbrauch von Chemikalien, Verpackung und Energie während Herstellung, Transport und Anwendung – also über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts – reduziert. Gleichzeitig sollen die Verbraucher über ressourcenschonendes Waschen informiert und sensibilisiert werden. Ein anderes klassisches Beispiel ist die Einführung kleiner Verpackungseinheiten und Nachfüllpacks. Dadurch werden Materialien gespart und die Abfallmengen verringert. Und die Angebote kosten weniger, wodurch sich auch Verbraucher mit geringem Einkommen unsere hochwertigen Reinigungsprodukte leisten können.

Und das verhilft dann wiederum zu einer besseren Hygiene in diesen Regionen, was doch besonders relevant ist, oder?

Alain Bauwens: Das Thema Hygiene steht derzeit im Fokus der öffentlichen Diskussion. Auch wir wollen generelles Bewusstsein für das Thema schaffen. So führen wir zum Beispiel gemeinsam mit Schulen Kampagnen durch, in denen die Schüler lernen, wie wichtig sauberes Wasser und Seife sind, um Krankheiten zu vermeiden. Unsere Marken wie Persil und Pril unterstützen außerdem in vielen Ländern gemeinnützige Einrichtungen durch Produkt- und Geldspenden. Diese langjährigen Partnerschaften ermöglichen eine positive Positionierung unserer Marken. Gleichzeitig bilden sie eine wichtige und konstante Säule für die Projektträger und helfen so, sozialen Ausgleich, Bildung und gesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben.

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