Der Henkel Sustainability Council


Vorwort

2010 war ein hervorragendes Jahr für Henkel: Wir haben nicht nur große Fortschritte auf dem Weg zu unseren Finanzzielen 2012 gemacht, sondern bereits 2010 die Nachhaltigkeits-Ziele erreicht, die wir uns für 2012 gesetzt hatten. Unsere ausgezeichnete Performance im Bereich des nachhaltigen Handelns wurde auch extern erneut mehrfach bestätigt. Diese Erfolge sind für uns Bestätigung, über die wir uns freuen, aber auch ein Ansporn für die Zukunft. Es ist unser erklärtes Ziel, im nachhaltigen Wirtschaften dauerhaft eine führende Rolle einzunehmen.

Global stehen wir vor großen Herausforderungen: Die Weltbevölkerung wächst unvermindert, gerade in den aufstrebenden Wachstumsregionen. Durch den steigenden Wohlstand verändern sich auch die Konsumgewohnheiten. Damit wird sich in den kommenden Jahrzehnten der Ressourcenverbrauch dramatisch beschleunigen. Wachstum und Lebensqualität müssen jedoch von Ressourcenverbrauch und Emissionen entkoppelt werden. Der Verzicht auf Konsum und die damit verbundene Lebensqualität ist allerdings keine realistische Lösung. Daher kommt innovativen Produkten und Prozessen eine Schlüsselrolle zu, wenn wir einen nachhaltigen Konsum ermöglichen wollen. Zu unserem Selbstverständnis gehört daher, dass alle unsere neuen Produkte in mindestens einem unserer fünf Fokusfelder einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten sollen.

Nachhaltige Lösungen für die anstehenden Herausforderungen können nur in Partnerschaft mit unseren Industrie- und Handelskunden sowie unseren Lieferanten und Verbrauchern entwickelt werden. Wir sehen Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und die Förderung von nachhaltigem Konsum als Hauptaufgabe der kommenden Jahre. Wenn alle Partner ihren Beitrag leisten, können wir bis zum Jahr 2030 die Leistung unserer Produkte deutlich steigern und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch und Emissionen beträchtlich senken. Im Ergebnis wird die Effizienz um ein Vielfaches zunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, suchen wir den Dialog mit allen Stakeholdern.

Verantwortliches Handeln fängt bei jedem Einzelnen an. Unsere Vision, mit unseren Marken und Technologien global führend zu sein, formuliert einen klaren Anspruch, an dem sich alle Mitarbeiter von Henkel orientieren. Um die Bedeutung zu unterstreichen, die nachhaltigem Handeln dabei zukommt, lautet einer unserer fünf Unternehmenswerte: „Wir verpflichten uns, unsere führende Rolle im Bereich Nachhaltigkeit auszubauen“. Denn wir sind davon überzeugt, dass sich Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg gegenseitig bedingen.

Kasper Rorsted
Vorsitzender des Vorstands

Interview mit Dirk-Stephan Koedijk, der im Henkel Sustainability Council das Thema Compliance repräsentiert

Warum ist es wichtig, eine Compliance-Abteilung zu haben? Wird den Mitarbeitern nicht zugetraut, sich ethisch und rechtlich angemessen zu verhalten?

Dirk-Stephan Koedijk: Es geht nicht darum, dass wir unseren Mitarbeitern misstrauen! Vielmehr ist uns wichtig, sie zum Beispiel bei Interessenkonflikten im Arbeitsalltag zu unterstützen und zu beraten. Denn Gesetze und Vorschriften müssen eingehalten werden, um Schaden sowohl vom Unternehmen als auch von den Mitarbeitern abzuhalten. Da wir global tätig sind, werden unsere Mitarbeiter mit unterschiedlichen Rechts- und Wertesystemen konfrontiert. Da ist es nicht immer einfach, zu wissen wie man sich in einer bestimmten Situation verhalten soll. Denn Gesetze und kulturelle Gepflogenheiten unterscheiden sich nun mal.

Wie können sich Mitarbeiter denn informieren, um sich richtig zu verhalten?

Dirk-Stephan Koedijk: Wir haben Regeln zum richtigen Verhalten aufgestellt, die weltweit gelten und in unserem Code of Conduct schriftlich festgehalten sind. Unsere Codes und Standards sind verpflichtend für alle Mitarbeiter an allen Standorten sowie für unsere Lieferanten und Vertragspartner. Jeden Verstoß gegen unsere Standards lehnen wir ab, denn Verstöße bergen Risiken: Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die enormen Schaden dadurch genommen haben, dass sie eben nicht Recht und Gesetz eingehalten haben. Wir sind der Überzeugung, dass nur saubere Geschäfte gute Geschäfte sind. Außerdem würden wir mit regelwidrigem Verhalten wie Bestechung oder Wettbewerbsabsprachen gewissermaßen selbst unser Geschäftsmodell untergraben – in Bereiche wie Marketing oder Forschung zu investieren, nutzt dann nicht mehr viel.

Welche Möglichkeiten haben Sie denn, ein Bewusstsein für die Wichtigkeit von Compliance zu verankern?

Dirk-Stephan Koedijk: Es ist ganz klar, dass die besten Compliance-Organisationen nichts bewirken, wenn die Mitarbeiter kein Gefühl für das richtige Verhalten entwickeln. Deshalb trainieren wir unsere Mitarbeiter in Compliance-Fragen weltweit durch Schulungen; im Jahr 2010 wurden 23.550 Trainings von Mitarbeitern gemeldet, die online oder persönlich durchgeführt wurden und zwischen zwei Stunden und zwei Tagen dauerten. Durch solche im Unternehmen verankerten Trainings sinkt dann auch die Rate der unwissentlich begangenen Verstöße. Diese Verstöße resultieren oft aus Interessenskonflikten, zum Beispiel bei dem Thema Geschenke – das richtige Fingerspitzengefühl ist dann gefragt, um Bestechung zu erkennen. Dass allerdings die Auslegung von Sachverhalten und das subjektive Empfinden sehr unterschiedlich sein können, wissen wir. Deshalb bieten wir speziell Mitarbeitern, die in bestimmte Länder gehen, ein Training an, um sie und unser Unternehmen zu schützen.

Wie stellen Sie sicher, dass das Thema Compliance auch gelebt wird?

Dirk-Stephan Koedijk: Wir führen regelmäßige Audits durch und beziehen in unsere Compliance-Checks auch unsere Lieferanten mit ein. Unser Prinzip ist „Null Toleranz“ und so verfahren wir auch. Außerdem schult die Konzernrevision unsere Top-Manager durch regelmäßige Trainings in unseren Corporate Standards und macht ihnen bewusst, dass ihr Verhalten einen großen Einfluss auf die Mitarbeiter hat. Denn wir sollten nicht vergessen, dass eine besondere Rolle unseren Führungskräften zufällt: Sie haben eine Vorbildfunktion und sind dazu verpflichtet, ein ethisch und rechtlich einwandfreies Verhalten vorzuleben. Dann wird das Thema Compliance zu einem Leitbild für das tägliche Handeln aller Mitarbeiter.

Interview mit Alain Bauwens, der im Henkel Sustainability Council den Unternehmensbereich Wasch-/Reinigungsmittel repräsentiert

Henkel will seine Position in den Wachstumsregionen Osteuropa, Naher Osten, Lateinamerika und Asien weiter ausbauen. Wo sehen Sie dabei die größten Chancen, wo die größten Herausforderungen?

Alain Bauwens: Wirtschaftlich bieten diese Regionen große Chancen für uns. Die Bevölkerungszahlen steigen, insbesondere die der jungen Generation. In den Ländern in Nordafrika und Nahost zum Beispiel sind 30 Prozent der Einwohner unter 14 Jahre alt. Zum Vergleich: In Westeuropa sind es nur 15 Prozent. Zwar verfügt die Bevölkerung oft noch über ein geringes Einkommen, doch gerade Wasch- und Reinigungsmittel sind ein Grundbedürfnis. Daher bergen Produkte, die den Lebensumständen und Bedürfnissen dieser Menschen gerecht werden, großes Geschäftspotenzial. Doch da sind wir auch schon bei den Herausforderungen: Diese Produkte zu entwickeln, erfordert ein umfassendes Wissen über die Kultur vor Ort, die Konsumentengewohnheiten, den Handel und die Wettbewerber, um nur einige Themenbereiche zu nennen. Wir müssen uns über jede Region genau informieren, um langfristig erfolgreich zu sein.

Beziehen Sie auch soziale und ökologische Faktoren in Ihre Analysen ein?

Alain Bauwens: Auf jeden Fall, Nachhaltigkeit ist gerade in den Wachstumsmärkten ein Top-Thema. Denn durch die steigenden Bevölkerungszahlen steigt natürlich auch der Ressourcenverbrauch. Das wiederum erhöht den Druck auf die ohnehin schon strapazierten Ressourcen der Erde. Aber ein Verzicht auf Wohlstand und Konsum dieser aufstrebenden Gesellschaften kann keine Lösung sein. Stattdessen müssen wir Innovationen anbieten, die den Menschen einen besseren Lebensstandard ermöglichen – ohne gleichzeitig den Ressourcenverbrauch zu erhöhen. Wir nennen diese Kombination „innovativen, nachhaltigen Konsum“.

Das klingt abstrakt. Wie wird dieses Konzept in der Praxis umgesetzt?

Alain Bauwens: Da gibt es ganz unterschiedliche Ansatzpunkte. Ein Beispiel ist unser Engagement im „Laundry Sustainability Projects“. Dieses Programm hat der internationale Industrieverband für Wasch- und Reinigungsmittel, kurz A.I.S.E, in Märkten wie Osteuropa und jetzt auch im Mittleren Osten und Nordafrika etabliert. Im Rahmen dieses speziellen Programms verpflichten wir uns, die klassischen Pulverwaschmittel durch moderne und effiziente Kompaktwaschmittel zu ersetzen. Dadurch wird der Verbrauch von Chemikalien, Verpackung und Energie während Herstellung, Transport und Anwendung – also über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts – reduziert. Gleichzeitig sollen die Verbraucher über ressourcenschonendes Waschen informiert und sensibilisiert werden. Ein anderes klassisches Beispiel ist die Einführung kleiner Verpackungseinheiten und Nachfüllpacks. Dadurch werden Materialien gespart und die Abfallmengen verringert. Und die Angebote kosten weniger, wodurch sich auch Verbraucher mit geringem Einkommen unsere hochwertigen Reinigungsprodukte leisten können.

Und das verhilft dann wiederum zu einer besseren Hygiene in diesen Regionen, was doch besonders relevant ist, oder?

Alain Bauwens: Das Thema Hygiene steht derzeit im Fokus der öffentlichen Diskussion. Auch wir wollen generelles Bewusstsein für das Thema schaffen. So führen wir zum Beispiel gemeinsam mit Schulen Kampagnen durch, in denen die Schüler lernen, wie wichtig sauberes Wasser und Seife sind, um Krankheiten zu vermeiden. Unsere Marken wie Persil und Pril unterstützen außerdem in vielen Ländern gemeinnützige Einrichtungen durch Produkt- und Geldspenden. Diese langjährigen Partnerschaften ermöglichen eine positive Positionierung unserer Marken. Gleichzeitig bilden sie eine wichtige und konstante Säule für die Projektträger und helfen so, sozialen Ausgleich, Bildung und gesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben.

Interview mit Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum, der im Henkel Sustainability Council den Unternehmensbereich Wasch-/Reinigungsmittel repräsentiert

Bei Henkel soll jedes neue Produkt einen Beitrag in mindestens einem der Henkel-Fokusfelder leisten. Warum ist das so wichtig?

Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum: Der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung sind meiner Meinung nach Innovationen. Unsere Innovationen sollen einen neuen Qualitätsstandard im Markt setzen: Neben bester Produktleistung ist die Verantwortung für Mensch und Umwelt inzwischen das, was gute Produkte auzeichnet. Für uns in der Forschungsabteilung heißt das, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette eines Produkts betrachten, von der Auswahl der Rohstoffe, über Produktion und Transport, bis hin zu Anwendung und Entsorgung. So finden wir geeignete Ansatzpunkte für Produktverbesserungen und Beiträge zu unseren Fokusfeldern.

Wie bekommen Sie denn einen Überblick über die vielen Stellschrauben, an denen gedreht werden kann?

Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum: Zu diesem Zweck haben wir unsere Fokusfelder systematisch in unseren Forschungsprozess integriert. Das heißt, unsere Forscher müssen an einem bestimmten Punkt im Innovationsprozess aufzeigen, welche konkreten Vorteile ihr Projekt leistet – in Bezug auf die Produktleistung, aber auch in Bezug auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeitskriterien. Ist eine Innovation zum Beispiel leistungsstärker als Vorgänger-Produkte, kann sie etwas völlig Neues? Und eben auch: Wird dieses Produkt effizienter hergestellt? Kann die Wasch- oder Spültemperatur ohne Leistungsverlust reduziert werden? Werden durch intelligentere Chemie weniger und erneuerbare Rohstoffe verwendet? So betrachten wir ganz genau die gesamte Wertschöpfungskette und erfassen den Mehrwert, den ein Produkt bietet, ebenso wie die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks. Die Ergebnisse laufen dann in unserem „SustainabilityMasters®“ zusammen. Mit dieser von Henkel entwickelten Bewertungsmethode kann aufgezeigt werden, ob Produkte und Prozesse im Vergleich zur Ausgangslage nachhaltiger sind.

Das klingt insgesamt sehr aufwendig …

Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum: Ja, aufwendig, aber lohnenswert. Und der Prozess ist natürlich nie abgeschlossen. Daher kooperieren wir auch sehr intensiv mit Rohstofflieferanten, anderen Herstellern und externen Forschungseinrichtungen, um die neuesten Trends und Technologien in unsere Produktentwicklung zu integrieren. Wer gleichzeitig auf den Gebieten Innovationen und Nachhaltigkeit führend sein will, muss in Zukunft eines noch besser können als heute schon: Partnerschaften mit allen Teilnehmern der Wertschöpfungsketten eingehen, also auch über unsere direkten Kunden und Lieferanten hinaus. „Cross-Industry Innovation“ nennt die Fachwelt diese Form der Kooperation, quasi eine Art Weiterentwicklung von „Open Innovation“. Stellvertretend nenne ich die intensive Zusammenarbeit mit den Herstellern von Haushaltsgeräten, um unsere Produkte in Kombination mit Wasch- und Spülmaschinen noch effizienter zu machen.

Prof. Dr. Ramón Bacardit repräsentiert im Henkel Sustainability Council den Unternehmensbereich Adhesive Technologies

Henkel-Klebstoffe müssen vor allem leistungsstark und zuverlässig sein. Interessiert die Kunden das Thema Nachhaltigkeit denn überhaupt?

Prof. Dr. Ramón Bacardit: Natürlich müssen unsere Produkte den Kunden in erster Linie erstklassige Leistung bieten. Aber gleichzeitig helfen sie unseren Kunden, ihre eigenen industriellen Prozesse effizienter zu gestalten. Zum Beispiel während der Autoherstellung verhilft der Einsatz von Henkel-Technologien zu zahlreichen Verbesserungen – von der Reduzierung der notwendigen Prozessschritte über Einsparungen beim Energie- und Wasserverbrauch bis hin zu leichteren und sicheren Fahrzeugkonstruktionen. Hier spiegelt sich auch unser umfassendes Verständnis von Nachhaltigkeit wider: Wir bieten Top-Leistung, der Kunde spart Geld und Ressourcen, und die Umwelt wird geschont. Für unsere Kunden ist das eine optimale Kombination, und für uns ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

Woher wissen das die Kunden?

Prof. Dr. Ramón Bacardit: Um die verschiedenen Vorteile unserer Produkte sichtbar zu machen, haben wir den sogenannten „Value Calculator“ entwickelt. Mit diesem können wir zum Beispiel die Einsparungen bei Wasser-, Energie- und Chemikalienverbrauch durch Einsatz unserer Produkte verdeutlichen. Speziell Kunden aus der Automobilindustrie können auf der Internetseite www.henkel-car.com nachvollziehen, wo Klebstoff-Lösungen und Oberflächentechnologien von Henkel überall zum Einsatz kommen und helfen, Qualität und Effizienz während der Automobilproduktion zu erhöhen.

Klebstoffe kommen in vielen Industriebereichen zum Einsatz. Was müssen die Produkte leisten?

Prof. Dr. Ramón Bacardit: Das stimmt, die Einsatzgebiete für unsere Produkte sind sehr groß und unsere Produktpalette ist groß – bedenkt man, dass Klebstoff zuallererst ein Werkstoff ist, der mithilfe von zwei Kräften, der Adhäsion und der Kohäsion, Dinge miteinander verbindet. Doch wenn man sich vor Augen führt, wo überall Klebstoff eingesetzt wird und traditionelle Fügeverfahren wie Schweißen, Schrauben oder Nieten ersetzt, kann man sich die Flexibilität dieses Materials wortwörtlich vorstellen. Und so flexibel wie der Werkstoff, müssen auch unsere Ideen für innovative Produkte sein. Für diese neuen oder verbesserten Produkte gilt nicht mehr ausschließlich die Anforderung leistungsstark zu sein. Gleichzeitig geht es um den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen in der Produktionsphase und um ihre Effizienz in der Anwendung.

Wie generieren Sie denn Ihre Ideen für die nachhaltigen Klebstofflösungen von morgen?

Prof. Dr. Ramón Bacardit: Wir kooperieren heute mehr denn je mit Industriepartnern und externen Forschungseinrichtungen, um mit unseren Innovationen den globalen Trends und Herausforderungen von morgen zu begegnen. So haben wir zum Beispiel die Tonji Universität in Shanghai dabei unterstützt, ein Wasserstoffauto zu entwickeln. Durch Dämmmaterial von Henkel konnten unter anderem Fahrgeräusche im Innenraum des Zukunftsmodells auf zwei Dezibel reduziert werden, was ein großer Fortschritt ist. Diese innovative Lösung wurde in die Automodelle eingebaut, die auf der EXPO-Weltausstellung 2010 in Shanghai gezeigt wurden. Wir stehen in ständigem und kreativem Dialog mit unseren Kunden, Anlagenherstellern und Lieferanten. Durch diese Partnerschaften entwickeln wir gemeinsam Lösungen und erfahren, was wirklich gebraucht wird.

Interview mit Enric Holzbacher, der im Henkel Sustainability Council das Marketing im Unternehmensbereich Adhesive Technologies repräsentiert

Henkel hat fünf Fokusfelder einer nachhaltigen Entwicklung definiert. Welche sind für Ihren Unternehmensbereich besonders relevant?

Enric Holzbacher: Da unser Portfolio sehr viele unterschiedliche Produkte umfasst, kann je nach Kategorie potenziell ein anderes Fokusfeld im Vordergrund stehen. Allerdings zeigt sich, dass die Mehrheit unserer Produkte Beiträge zu den Fokusfeldern „Gesundheit und Sicherheit“ sowie „Energie und Klima“ leisten. Daher haben wir beschlossen, diese beiden Themen als Schwerpunkt für unsere Produktentwicklung zu definieren.

Mit welchem Ergebnis?

Enric Holzbacher: Für das Fokusfeld „Gesundheit und Sicherheit“ zum Beispiel haben wir im vergangenen Jahr große Fortschritte beim Thema Lösemittel erzielt. Diese werden aufgrund möglicher negativer Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt oft kontrovers diskutiert. Wir arbeiten zwar seit langem daran, Lösemittel in den Rezepturen unserer Produkte zu ersetzen, doch durch Akquisitionen kamen immer wieder neue lösemittelhaltige Produkte ins Sortiment. Deshalb haben wir uns 2010 das Ziel gesetzt: Bis 2020 verringern wir den Lösemitteleinsatz in Konsumenten-Klebstoffen um 50 Prozent im Vergleich zu heute. Unsere Vision ist, bis 2030 in allen Kontakt- und Montageklebern für Konsumenten komplett auf Lösemittel zu verzichten.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Enric Holzbacher: Die Umstellung wird in mehreren Stufen erfolgen: Erst haben wir dort angefangen, wo die Gesundheitsgefährdung durch Missbrauch unserer Klebstoffe am wahrscheinlichsten war und dort, wo es technisch und marktseitig möglich war; Seit Ende 2010 sind weltweit die Stoffe Toluol und Methylenchlorid aus allen Henkel-Konsumentenklebstoffen verschwunden. Hierfür konnten wir uns auf Erfahrungen aus Chile stützen: Henkel Chile hat bereits 1995 bei der Produktion von Klebstoffen auf die Verwendung von Toluol verzichtet, als bekannt wurde, dass diese von Straßenkindern zum Klebstoff-Schnüffeln, also als Rauschmittel, missbraucht wurden. Aufgrund der Vorreiterrolle von Henkel unterzeichnete der chilenische Präsident am 24. Dezember 1998 ein Gesetz, das die Produktion und Vermarktung toluolhaltiger Klebstoffe für den gesamten chilenischen Markt verbietet. Vom chilenischen Gesundheitsminister wurde Henkel dafür mit dem nationalen Gesundheitspreis ausgezeichnet. Damit für eine Zukunft ohne Lösemittel rechtzeitig Alternativen zur Verfügung stehen, investieren wir langfristig in die Entwicklung neuer Basistechnologien.

Und welche Beiträge leisten Sie zu dem Fokusfeld „Energie & Klima“?

Enric Holzbacher: Viele unserer Produkte haben großes Potenzial, Beiträge zum Klimaschutz zu leisten. Wir bieten verschiedene Systeme aus Fugendichtungsmassen, Isolierschäumen, Dämmplatten und Dichtfolien an, die eine professionelle Abdichtung von Fenstern, Türen und Fassaden ermöglichen. Sie erhöhen damit also die Energieeffizienz von Gebäuden. Eine Hauptaufgabe wird aber zunächst sein, Bewusstsein und Transparenz bei unseren Kunden zu schaffen. Wir müssen unnötige Energieverluste rund ums Haus aufzeigen und erklären.

Wie wollen Sie das erreichen?

Enric Holzbacher: Indem wir professionelle Beratung rund um unsere Produkte oder Instrumente wie Energierechner anbieten – zum Beispiel in Deutschland im Internet unter www.henkel321.com. Nur so können wir den Vorteil unserer Produkte für unsere Kunden sichtbar machen. In anderen Märkten wie in Mittel- und Osteuropa rufen wir Handwerkerschulen ins Leben. Hier schulen wir neben der richtigen Anwendung auch das Bewusstsein der Profis für umweltverträgliche Baumaterialien. So vermitteln wir, dass sich Investitionen in hochwertige Kleb-, Dicht- und Isolierstoffe langfristig auszahlen.

Interview mit Dr. Peter Florenz, der im Henkel Sustainability Council das Thema Governmental Relations repräsentiert

Die Mitgestaltung politischer Entscheidungen durch Unternehmen – sogenanntes Corporate Lobbying – wird in der Gesellschaft oft kritisch gesehen…

Dr. Peter Florenz: Das ist leider so, wenn auch aus unserer Sicht in der Regel ungerechtfertig. Denn nicht nur für Unternehmen, auch für die Gesellschaft ist Lobbying sinnvoll und nützlich. Die Vorbereitung von politischen Entscheidungen braucht den Input aller gesellschaftlichen Gruppen, um faire, verantwortungsvolle und ausgewogene Lösungen zu finden. Zu diesen Gruppen gehören selbstverständlich auch Unternehmen. Wir bei Henkel werden immer wieder aktiv von Politikern und Regulatoren nach unserer Meinung und Expertise zu spezifischen Themenstellungen gefragt – besonders, wenn es um Themen geht, die unsere Geschäftsfelder direkt betreffen und zu denen wir durch unser Engagement im Industrie- und Konsumgüterbereich im Laufe der Jahre wertvolle Erfahrungen sammeln konnten. Voraussetzung ist natürlich, dass der Dialog offen und transparent geschieht.

Wie kann das sichergestellt werden?

Dr. Peter Florenz: Zum Beispiel hat sich Henkel im vergangen Jahr in das Transparenz-Register der Europäischen Kommission eingetragen. Dieses freiwillige Register macht die Mitarbeit von Unternehmensvertretern in den verschiedenen Arbeitsgruppen transparent. Wir wollen damit offen zeigen, zu welchen Themen wir die Entscheidungsfindung der Europäischen Kommission mitgestalten. Intern haben wir darüber hinaus klare Regeln in Bezug auf unsere Lobbying-Aktivitäten festgelegt und im Standard „Representation of Interests in Public Affairs“ veröffentlicht.  Diese Regeln schließen übrigens ein, dass Henkel keine politischen Parteien mit finanziellen oder anderen Zuwendungen unterstützt.

Warum ist es für Unternehmen wie Henkel überhaupt wichtig, Einfluss auf die Diskussion in Politik und Verbänden zu nehmen?

Dr. Peter Florenz: Vor allem, um dazu beizutragen, dass Gesetzesvorhaben in der Praxis umsetzbar sind und damit den gewünschten gesellschaftlich relevanten Steuerungseffekt erzielen. Aktuell sind die Sektoren Chemie und Konsumgüter stark im Fokus der Regulatoren. Dies sind zwei Bereiche mit unmittelbarer Relevanz für das Henkel Geschäftsumfeld. REACH oder der EU-Aktionsplan für Nachhaltigkeit in Verbrauch und Produktion sind hier Beispiele. Indem wir uns in die Erarbeitung dieser Regelwerke einbringen, kommunizieren wir als Unternehmen unsere eigenen Interessen und Erfahrungen sowie die unserer Mitarbeiter, Kunden und Konsumenten. Wir bieten quasi eine Art „Realitätstest“ für politische Entscheidungen. Das machen wir übrigens nicht nur als einzelnes Unternehmen. Oft ist es effizienter, mit anderen Unternehmen in Verbänden und Arbeitsgruppen eine Meinung zu bilden, und dann – unter strikter Beachtung von Compliance und Antitrust-Regeln – mit gemeinsamer Stimme zu sprechen. Daher engagieren wir uns in vielen nationalen und internationalen Projekten und freiwilligen Initiativen.

In welchen denn zum Beispiel?

Dr. Peter Florenz: Wir sind seit langem aktives Mitglied im Internationalen Wasch- und Reinigungsmittelverband (A.I.S.E.). Seit 2005 haben wir uns der bisher einzigartigen freiwilligen Nachhaltigkeitsinitiative „Charter für nachhaltiges Waschen und Reinigen (Charter for Sustainable Cleaning)“ verpflichtet, in der es vor allem darum geht, die Standards für die Herstellung und Anwendung von Wasch- und Reinigungsmitteln immer weiter zu verbessern. Die aktuell 130 beteiligten Unternehmen aus Industrie und Handel decken über 80 Prozent der in Europa hergestellten Wasch- und Reinigungsmittelmenge ab. Auch zum Thema REACH oder der Anerkennung von alternativen Testmethoden, die Tierversuche ersetzen können, sind wir auf europäischer Ebene in Arbeitsgruppen involviert. Immer wichtiger für uns wird außerdem die Zusammenarbeit mit unseren Kunden –  beispielsweise im von WalMart gegründeten „Sustainability Consortium“, das die Messbarkeit von Nachhaltigkeitsleistungen überprüft. In Deutschland und den USA beteiligen wir uns an Gemeinschaftsprojekten mit Partnern aus Forschung, Industrie, Handel, Politik und Nichtregierungsorganisationen zur Entwicklung einer belastbaren und international einheitlichen Methode zur Berechnung von „CO2 Fußabdrücken“ von Produkten. Denn wir sehen es als Teil unserer Verantwortung, nicht nur bestehende Standards einzuhalten, sondern auch neue mitzugestalten.

Interview mit Carsten Tilger, der im Henkel Sustainability Council die Unternehmenskommunikation repräsentiert

2010 wurden bei Henkel eine neue Vision und überarbeitete Unternehmenswerte eingeführt. Daraufhin haben alle Henkel-Mitarbeiter an Vision und Werte-Workshops teilgenommen. Warum haben Sie dieses Kommunikationsinstrument gewählt?

Carsten Tilger: Um zu erreichen, dass sich wirklich jeder Mitarbeiter mit unserer Vision und den Werten aktiv auseinandersetzt. Anstatt uns darauf zu beschränken, die Werte nur über die üblichen Wege wie Mitarbeiterzeitung, Intranet oder Präsentationen auf Mitarbeiterversammlungen zu kommunizieren, haben wir ganz bewusst einen neuen Ansatz gewählt. Denn nur, wenn alle Mitarbeiter wissen und verstehen, was unsere Vision und die Werte für sie persönlich und für ihr Team im Arbeitsalltag bedeuten, werden diese zu einem Leitbild für Verhalten und Entscheidungen. Deshalb war es uns wichtig, dass alle Henkel-Mitarbeiter weltweit in den Vision und Werte-Workshops erarbeiten können, was zum Beispiel der Wert Nachhaltigkeit für sie bedeutet. Dieser Ansatz hat sich als sehr erfolgreich bewiesen – was vor allem den Henkel-Mitarbeitern zu verdanken ist.

Ist der Wert Nachhaltigkeit denn schwieriger zu vermitteln als die anderen Werte?

Carsten Tilger: Die Herausforderung beim Begriff Nachhaltigkeit ist, dass er sehr abstrakt ist und sehr viele unterschiedliche Definitionen existieren. Außerdem kann Nachhaltigkeit je nach Kontext unterschiedliche Themenfelder beinhalten. Deshalb müssen wir unseren Mitarbeitern genau erklären, was der Begriff für Henkel bedeutet, und welche Themen für uns dahinter stehen. Nur dann können Mitarbeiter im Marketing zum Beispiel die umweltverträglichen Eigenschaften eines Produktes richtig hervorheben oder Mitarbeiter beim Einkauf von Rohstoffen argumentieren, warum sie unter Nachhaltigkeitsaspekten diesen oder jenen bevorzugen.

Sehen Sie auch Herausforderungen für den Dialog mit externen Interessengruppen?

Carsten Tilger: Hier steigen vor allem die Anzahl und Vielfalt der Akteure und ihre Informationswünsche stetig. Zum Beispiel fordern Fachinstitute und Handelskunden zunehmend detaillierte Informationen. Dagegen ist in der Verbraucherkommunikation das Verkürzen und Verdichten entscheidend, damit die Botschaften aufgenommen werden. Unterschiedliche Kommunikationskanäle und zielgruppengerechte Aufbereitung von Informationen werden für einen erfolgreichen Stakeholder-Dialog immer wichtiger. Die Herausforderung dabei ist, trotz der diversen Kommunikationsmedien und Zielgruppen, die Botschaft des Unternehmens konsistent zu halten.

Wie erreichen Sie, dass die Öffentlichkeit ihre Nachhaltigkeitskommunikation ernst nimmt, und nicht als reines „Greenwashing“ abtut?

Carsten Tilger: Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen grundsätzlich keinen Vertrauensvorschuss von der Öffentlichkeit bekommen. Besonders Unternehmen, die ihre Leistungen im Bereich Nachhaltigkeit stark in den Medien kommunizieren, bekommen oft den Vorwurf von sogenannter „grüner PR“ oder eben „Greenwashing“ zu hören. Daher braucht Nachhaltigkeitskommunikation vor allem Kontinuität und Authentizität, um glaubwürdig und langfristig vertrauensbildend zu wirken. Mit Kontinuität meine ich, dass sich die kommunizierten Maßnahmen und Engagements logisch an Vergangenes anschließen und nicht nur kurzfristiger Aktionismus sind. Authentizität heißt, dass die Maßnahmen für das Kerngeschäft relevant sind und sich auf die normalen Geschäftsaktivitäten beziehen. Dabei dürfen auch Zielkonflikte nicht verschwiegen werden, sondern müssen offen erklärt und diskutiert werden. Authentizität entsteht durch Menschen, die für diese Inhalte einstehen: Das Thema Nachhaltigkeit muss vorgedacht – und vorgemacht – werden, und von allen Mitarbeitern getragen werden.

Interview mit Kathrin Menges, die im Henkel Sustainability Council das Thema Personalmanagement repräsentiert

Was bedeutet für die Mitarbeiter eine „Winning Culture“?

Kathrin Menges: Eine Kultur des Gewinnens ist geprägt durch eine starke Leistungsorientierung und Erfolgswillen. Wir bei Henkel haben den Willen, in allem, was wir tun, die Besten zu sein. Dazu gehört, dass wir unsere Mitarbeiter fordern und fördern und exzellente Leistung belohnen.

Wie wird denn exzellente Leistung messbar?

Kathrin Menges: In regelmäßigen Abständen überprüfen wir die Feedback- und Evaluationsprozesse bei Henkel. Das ist notwendig, weil sich das Arbeitsumfeld ständig ändert. Aktuell haben wir unser Bewertungssystem der Leistung und des Potenzials unserer Führungskräfte weiterentwickelt: Unsere Mitarbeiter profitieren von diesem System, denn die Rückmeldung der jeweiligen Vorgesetzten zu ihrer Leistung und ihrem Potenzial wird dadurch noch transparenter und klarer als zuvor. Alle wissen danach, wo sie stehen, was von ihnen erwartet wird und wie sie sich weiterentwickeln können. Damit können die Vorgesetzten die Leistungen ihrer Mitarbeiter vergleichen und bezüglich der Anforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes bewerten. Gleichzeitig erhöht diese Transparenz die Motivation jedes und jeder Einzelnen, hervorragende Leistung zu bringen. Und die honorieren wir natürlich.

Ein Gewinn also sowohl für das Unternehmen wie für die Mitarbeiter?

Kathrin Menges: Ja, mit Sicherheit, denn die Mitarbeiter erwarten zu Recht, dass ihre Leistung anerkannt und belohnt wird. Und eine Unternehmenskultur, mit der sie sich identifizieren können und die sie mitgestalten können. Zur Einführung unserer neuen Vision und unserer neuen Werte haben zum Beispiel alle Henkel-Mitarbeiter auf der ganzen Welt an einem Vision und Werte-Workshop teilgenommen. Denn eine „Winning Culture“ zu etablieren geht nur, wenn alle Mitarbeiter sich zu der neuen Vision und zu den neuen Werten bekennen – und diese in ihrem Arbeitsalltag bei Henkel Tag für Tag leben.

Interview mit Tina Müller, die im Henkel Sustainability Council den Unternehmensbereich Kosmetik/Körperpflege repräsentiert

2010 haben Sie eine umfassende Studie zum Thema Schönheit in Auftrag gegeben. Wofür verwenden Sie die Ergebnisse?

Tina Müller: Anlässlich des 111-jährigen Jubiläums von Schwarzkopf haben wir die Trendstudie „Beauty is hair“ ins Leben gerufen. Denn wir möchten die sich weltweit wandelnden Bedürfnisse unserer Verbraucher verstehen – besonders die unserer Verbraucherinnen, denn die Mehrzahl aller Kaufentscheidungen wird ja heute noch von Frauen getroffen. Deutlich hat die Studie gemacht: Die Bedürfnisse der Verbraucherinnen und ihr Blick für Schönheit verändern sich weltweit. Die verschiedenen Kulturen, Altersgruppen und Lebensstile fordern eine individuelle Ansprache und auf sie zugeschnittene Produkte.

Können Sie aus der Studie auch Erkenntnisse zum Thema Nachhaltigkeit und dessen Bedeutung für Ihre unterschiedlichen Produktkategorien ableiten?

Tina Müller: Unsere Studie zeigt vor allem, dass Schönheit, persönliches Wohlbefinden und Hygiene zu den fundamentalen Bedürfnissen der Menschen gehören, egal in welchem Teil der Welt. Unsere Produkte helfen, diese Bedürfnisse individuell zu erfüllen – und leisten dadurch per se einen wichtigen sozialen und gesellschaftlichen Beitrag. Ziel unserer Produktentwicklung ist es, diesen Beitrag so groß wie möglich werden zu lassen. Dies schließt für mich das Engagement unserer Marken für gemeinnützige Zwecke mit ein, zum Beispiel im Rahmen der neuen Schwarzkopf-Initiative „Shaping Futures“. Außerdem werden unsere Shampoos, Duschgele, Haarsprays, Hautcremes und Colorationen täglich in mehr als einer Million Haushalte verwendet. Über unsere Innovationen nutzen wir also großes Potenzial, den wachsenden Trend zu umwelt- und gesundheitsbewussten Lebensstilen unmittelbar im Alltag zu unterstützen. Indem wir zum Beispiel nachwachsende Rohstoffe oder Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau einsetzen, die biologische Abbaubarkeit unserer Rezepturen immer weiter verbessern und die Produktverpackungen soweit wie möglich minimieren, tragen wir zu diesem Trend bei.

Werden Sie diese sozialen und ökologischen Aspekte Ihrer Produkte in Zukunft auch stärker für die Verbraucheransprache – sprich Werbung – nutzen?

Tina Müller: Für uns muss die Produktleistung mit ökologischen und sozialen Verbesserungen zusammengebracht werden, um von einem wirklich guten Produkt sprechen zu können. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, mit unseren Produkten diesen Spagat hinzubekommen: Unsere Produkte bieten erstklassige Wirksamkeit und Hautverträglichkeit. Sie leisten einen Beitrag zu Hygiene, aber auch zu Schönheit. Und außerdem verwenden wir hochwertige Inhaltsstoffe, die verantwortungsvoll gewonnen wurden.

Dieses eigene Selbstverständnis ist aber nicht notwendigerweise Schwerpunkt bei der Verbraucheransprache. Denn der Erfolg unserer Kosmetikprodukte beruht in erster Linie auf ihrer Relevanz für die Verbraucher; Sie wollen wirksame und gut verträgliche Produkte. Daher stehen diese Dimensionen im Vordergrund unserer Werbung. Wollen wir darüber hinaus zum Beispiel auf eine verbesserte ökologische Bilanz hinweisen, lassen wir uns das extern bestätigen – ein Beispiel hierfür sind unsere Ecocert-zertifizierten Seifen und Zahnpastas.

Interview mit Dr. Thomas Förster, der im Henkel Sustainability Council den Unternehmensbereich Kosmetik/Körperpflege repräsentiert

Sie haben sich 2010 das Ziel gesetzt, alle Diadermine-Pflegeprodukte durch ECARF, der europäischen Stiftung für Allergieforschung, prüfen zu lassen. Warum ist das wichtig und wie weit sind Sie gekommen?

Dr. Thomas Förster: Studien zeigen, dass die Anzahl der Menschen mit sensibler Haut oder Allergien gerade in den Industrieländern weiter zunimmt. Daher spielt das Thema für unsere Produktentwicklung eine immer größere Rolle. Speziell unsere Diadermine-Pflegeprodukte lassen wir seit 2009 intensiv von Hautärzten der Charité in Berlin prüfen. Unsere Rezepturen und ihr biomimetisches – also der Natur nachempfundenes – Wirkprinzip zeigten sich dabei als besonders haut- und allergikerfreundlich. Diadermine-Hautcremes erhielten daraufhin das „ECARF“-Siegel der europäischen Stiftung für Allergieforschung. 2010 konnten wir auch alle Hautcremes der Dr. Caspari-Serien von Diadermine durch ECARF zertifizieren lassen; für uns ein toller Erfolg, der unsere dermatologische Kompetenz bestätigt.

Und welche Forschungsfelder stehen jetzt im Fokus?

Dr. Thomas Förster: Generell sind wir immer auf der Suche nach noch wirksameren und verträglicheren, aber auch effizienteren Rezepturen. Denn wir stehen vor der Herausforderung, mehr Leistung mit weniger Rohstoff- und Materialeinsatz zu erzielen. Zum Beispiel haben wir 2010 neue Basisrezepturen für unsere Reinigungsprodukte wie Shampoos, Duschgele und Flüssig-Handseifen eingeführt. Diese sind genauso leistungsstark wie die vorhergehenden, kommen aber mit rund 15 Prozent weniger Tensiden, das sind waschaktive Substanzen, aus. Einen Beitrag zur Ressourceneffizienz leisten für mich auch Produkte, deren Wirkung besonders lange anhält – wie zum Beispiel unsere neu eingeführte Deodorant-Marke Right Guard. Die 48-Stunden-Wirkung reduziert den Produktverbrauch gegenüber herkömmlichen Deosprays deutlich.

Und wie sieht es bei diesen Rezepturen wiederum mit der Sicherstellung der gesundheitlichen Verträglichkeit aus?

Dr. Thomas Förster: Alle unsere Kosmetikprodukte, einschließlich der verwendeten Inhaltsstoffe, durchlaufen ein umfangreiches Prüfprogramm, um ihre Verträglichkeit nachzuweisen. Dabei setzen wir für die Untersuchung unserer kosmetischen Fertigprodukte ausschließlich dermatologische Studien und tierversuchsfreie In-vitro-Tests ein. Das sind Tests, die im Reagenzglas mit künstlichen Vollhaut-Modellen durchgeführt werden. Zentrales Ziel unserer Forschung ist es natürlich, auch die für manche Inhaltsstoffe immer noch vorgeschriebenen Tierversuche durch alternative Testmethoden zu ersetzen. Hierzu engagieren wir uns seit den 1980er Jahren intensiv und können etliche Erfolge vorweisen. Dazu arbeiten wir international eng mit Partnern aus Industrie, Behörden und Forschungseinrichtungen zusammen.

Interview mit Dr. Andreas Bruns, der im Henkel Sustainability Council Infrastruktur Services sowie Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz (Corporate SHE) repräsentiert

Industrieunternehmen werden in öffentlichen Diskussionen nicht unbedingt als die entscheidenden Nachhaltigkeitsverfechter genannt. Wie erklären Sie sich das?

Dr. Andreas Bruns: Die Industrie hat meiner Meinung nach ein Imageproblem. Viele Bürger kennen sich mit industriellen Zusammenhängen zwar nicht genau aus, üben aber viel emotionale Kritik – insbesondere gegenüber Chemie- oder Chemieverarbeitenden Unternehmen wie Henkel. Dabei wird oft vergessen, dass insbesondere die Industrie die Basis für den heutigen gesellschaftlichen Wohlstand schafft. Indem wir Arbeitsplätze schaffen, Gehälter und Steuern zahlen und Produkte anbieten, die einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten. In diesem Sinne ist Henkel wichtig für eine nachhaltige Entwicklung. Wir sind diejenigen, die weltweit die Effizienz von Ressourcen, Prozessen und Produkten vorantreiben. Daher stellen wir uns dem Dialog mit unseren Stakeholdern, um das Bild unserer Industrie zu verbessern.

Wie kann denn nachhaltig und gleichzeitig effizient produziert werden?

Dr. Andreas Bruns: Nachhaltigkeit bedeutet für Henkel soziale, ökologische und wirtschaftliche Ziele in Einklang zu bringen. Das heißt, Nachhaltigkeit beinhaltet Effizienz; Wirtschaftlichkeit ist ganz klar ein fester Bestandteil im Konzept der nachhaltigen Entwicklung und kein Widerspruch oder eine Einschränkung. Auch das wird in der öffentlichen Diskussion oft vergessen.

Wie setzen Sie diesen Anspruch in der Praxis um?

Dr. Andreas Bruns: Indem wir intelligente Lösungen suchen, die allen drei Dimensionen gerecht werden: Also Umwelt- und Ressourcenschutz, der das Unternehmen effizienter macht. Und faire Entlohnung und Behandlung der Mitarbeiter, so dass Produktivität und Unternehmenserfolg steigen. Dafür sind technologischer Fortschritt und Wissenstransfer von zentraler Bedeutung. Die Abteilung Infrastructure-Service zum Beispiel hat das Projekt „Excellence in Site Service“ ins Leben gerufen: Alle Werke weltweit werden systematisch unter die Lupe genommen. Analysiert werden Aspekte in Bezug auf Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Umwelt und Sicherheit, Instandhaltung sowie Standortlogistik – bis hin zur Qualität der Kantinen.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Umsetzung immer neuer Verbesserungsmaßnahmen?

Dr. Andreas Bruns: Schwierig wird es, wenn uns eine Verbesserung an einer anderen Stelle vor ein neues Problem stellt. Ein Beispiel: Durch die Umstellung auf Flüssigwaschmittelkonzentrate konnten wir einerseits den Wasser- und Materialverbrauch in der Produktion deutlich senken, andererseits steigt dadurch der relative Energieverbrauch – also pro Tonne Produktion – da sich die benötigte Energie der Produktion gewichtsmäßig auf weniger Tonnage verteilt. Je mehr sich ein Unternehmen ernsthaft mit einer nachhaltigen Entwicklung auseinander setzt, desto häufiger tauchen solche Konflikte auf.


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