Unser Beitrag zu einer nachhaltigen Palmölwirtschaft

Zu unserem Verständnis von nachhaltigem und gesellschaftlich verantwortlichem Wirtschaften zählen auch eine nachhaltige Rohstoffwirtschaft und der Schutz der natürlichen Ressourcen. Besonders beim Einsatz nachwachsender Rohstoffe wie zum Beispiel Palmöl müssen nicht nur die wirtschaftlichen, sondern insbesondere auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen genau betrachtet werden. Unsere Vision ist es, dass in Zukunft – wann immer Palm- und Palmkernöl in unseren Produkten eingesetzt werden – dieses Öl aus nachhaltiger Bewirtschaftung entstammt. Ab 2015 soll die gesamte Menge an Palm- und Palmkernöl, die als Rohstoffe in unsere Produkte einfließt, vollständig durch RSPO-Zertifikate für nachhaltige Palmölwirtschaft abgedeckt sein.

Hintergrund: Die Ölpalme und weltweite Palmölwirtschaft

Foto Palme

Die Ölpalme ist im Vergleich zu anderen Ölpflanzen sehr ertragreich, leicht anzubauen und trägt ganzjährig Früchte, weshalb sie unter den weltweit angebauten ölproduzierenden Pflanzen inzwischen an erster Stelle steht. Aus der Frucht der Ölpalme erhält man zwei Öle: Palmöl und Palmkernöl. Der Hauptanteil der weltweiten Produktion von Palmöl, rund 80 Prozent, wird dabei in der Nahrungsmittelindustrie genutzt, als Pflanzenfett zum Beispiel für Margarine und Süßwaren. Zudem eignet sich Palmöl auch zur Herstellung von Biokraftstoffen als Alternative zu Mineralölen.

Im Unterschied zu Palmöl wird das Palmkernöl nur sehr begrenzt im Lebensmittelbereich eingesetzt. Es findet Verwendung in der oleochemischen Industrie, wo aus Palmkernöl Tenside (waschaktive Substanzen) für Wasch- und Reinigungsmittel und auch Kosmetikprodukte hergestellt werden.

Während der Weltmarkt für Palmöl 45,8 Millionen Tonnen im Jahr 2009 betrug, umfasste der Markt für Palmkernöl lediglich ein Volumen von 5,5 Millionen Tonnen.

Einsatz von Palmkernöl bei Henkel – Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette

Foto Kokosnuss

Zur Produktion von Tensiden, das heißt von waschaktiven Substanzen für Wasch- und Reinigungsmittel sowie für Kosmetikprodukte, stehen lediglich drei Ausgangsstoffe zur Verfügung: Mineralöl, Kokosöl und das Öl der Palmkerne. Die in Mitteleuropa erzeugten Pflanzenöle sind technisch nicht zur Tensidproduktion geeignet.

Es ist ein zentrales Bestreben unserer Forschung und Entwicklung, erdölbasierte Inhaltsstoffe zu ersetzen. Gründe hierfür sind die begrenzte Verfügbarkeit des Erdöls, der Klimaschutz und die ökologischen Risiken, die mit der Förderung von Erdöl einhergehen. Vor jeder Entscheidung sind die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkte der jeweiligen Alternative gleichermaßen zu berücksichtigen.

Die in unseren Wasch- und Reinigungsmitteln eingesetzten Tenside basieren zu rund 30 Prozent auf nachwachsenden Rohstoffen als Ausgangstoffe. Damit nehmen unsere Produkte innerhalb der Wasch- und Reinigungsmittelindustrie eine führende Rolle ein. Henkel stellt seine Tenside allerdings nicht selbst her, sondern bezieht diese von seinen Rohstofflieferanten auf dem Weltmarkt. Insgesamt nutzt Henkel indirekt über seine Tensid- oder andere Rohstofflieferanten weniger als 0,2 Prozent des weltweiten Palmkern- beziehungsweise Palmöls.

Unser Anspruch ist es, entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltig und gesellschaftlich verantwortlich zu wirtschaften. Aus diesem Grund nehmen wir die Probleme sehr ernst, die durch den extensiven Anbau von Palmölplantagen entstehen können, und setzen uns mit einer Reihe verschiedener Interessenspartner für eine nachhaltige und damit ökologisch und sozial verantwortliche Gewinnung von Pamöl ein.

Unsere Vision ist es, dass in Zukunft – wann immer Palm- und Palmkernöl in unseren Produkten eingesetzt werden – dieses Öl aus nachhaltiger Bewirtschaftung entstammt. Ab 2015 soll die gesamte Menge an Palm- und Palmkernöl, die als Rohstoffe in unsere Produkte einfließt, vollständig durch RSPO-Zertifikate für nachhaltige Palmölwirtschaft abgedeckt sein.

Henkel im Dialog: Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO) und Coalition on Sustainable Palm Oil (POC)

Der Anbau der Ölpalme ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Dabei haben sich unter anderem die Rodung von Regenwaldgebieten oder das Trockenlegen von Torfmooren, um Anbauflächen zu gewinnen, als Probleme ergeben. Nachwachsende Rohstoffe können deshalb nur dann einen positiven Beitrag zu Nachhaltigkeitsaspekten wie Klimaschutz leisten, wenn die Anbaubedingungen ökologisch verträglich und sozial verantwortlich gestaltet werden. Aus diesem Grund unterstützt Henkel aktiv die Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien in der Lieferkette von Palmöl und Palmkernöl.

Um dieses Ziel gemeinsam mit unseren Partnern zu erreichen, engagiert sich Henkel bereits seit 2003 beim so genannten „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (Round Table on Sustainable Palm Oil, RSPO). Der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ entstand auf Initiative des World Wide Fund For Nature (WWF) und interessierter Vertreter der Wirtschaft, um geeignete Wege für die nachhaltige Gewinnung von Palmöl zu finden und dem „Raubbau“ an Regenwäldern und der Vernichtung von Feuchtgebieten, insbesondere in Indonesien, entgegenzuwirken. Dabei handelte es sich zunächst um eine informelle Kooperation zwischen einzelnen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und dem WWF im Jahr 2002. Im August 2003 wurde der RSPO offiziell in Kuala Lumpur, Malaysia, gegründet. An diesem Treffen nahmen 200 Teilnehmer aus 16 Ländern teil – darunter auch Henkel. Heute (Mitte 2010) zählt die Initiative 389 Mitglieder, darunter Palmölerzeuger, Konsumgüterhersteller, Einzelhändler, Banken und Investoren sowie Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Sitz der Initiative ist Zürich, das Sekretariat befindet sich in Kuala Lumpur. 

Der RSPO verfolgt das Ziel, die nachhaltige Herstellung von Palmöl zu fördern und den Raubbau an Regenwäldern zu verhindern. Beim 5. Runden Tisch (RT5) wurde der Ausbau eines Zertifizierungs- und Vermarktungsmodells für Palmöl aus nachhaltigem Anbau verabschiedet. Dabei war es ein zentrales Anliegen, dass das Zertifizierungsmodell flexibel ist und die unterschiedlichen Bedingungen berücksichtigt, unter denen Palmöl gewonnen, weiter verarbeitet und gehandelt wird. Nach deren Verabschiedung ist Henkel im April 2008 offiziell dem RSPO beigetreten.

Ein weiterer, entscheidender Schritt war die Gründung der Coalition on Sustainable Palm Oil (POC), der Henkel im Oktober 2009 beitrat. In der Coalition on Sustainable Palm Oil sind neben weltweit tätigen Unternehmen aus der Konsumgüter- und Lebensmittelindustrie auch Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace, Oxfam, WWF und andere vertreten. Gemeinsames Ziel ist die Unterstützung eines Moratoriums der Abholzung von Regenwald sowie die verbindliche Verpflichtung der Unternehmen, bis zu einem festgelegten Datum ausschließlich Palmöl aus nachhaltiger Palmölwirtschaft zu verwenden. Damit will man das Konzept des nachhaltigen Anbaus von Palmöl noch entschiedener vorantreiben.

Zertifizierungsmodell für Palmöl und Palmkernöl aus nachhaltigem Anbau

Da Palmöl zum Beispiel von den Tensidherstellern nicht direkt beim Produzenten, sondern auf dem Weltmarkt eingekauft wird, hat der RSPO ein Zertifizierungsverfahren und drei verschiedene Vermarktungsmodelle für Palmöl von nachhaltig wirtschaftenden Palmölplantagen etabliert: Segregation, also die physische Trennung der Stoffströme von nachhaltigem und normalem Palmöl; die Massenbilanz, also die kontrollierte Vermischung von nachhaltigem und „normalem“ Palmöl, sowie das „Book & Claim"-System.

Während die Segregation bei Palmöl – dem Hauptprodukt – eine direkte Nachverfolgbarkeit des Rohstoffs von der Plantage bis zum Einsatz in einem Endprodukt ermöglicht, ist dieses für die Lieferkette von den Palmkernen bis zum Tensid kurz- und mittelfristig kaum umsetzbar. Eine physische Trennung des nachhaltig erzeugten Palmkernöls ist zwar möglich, erfordert aber hohe Investitionen in neue Pipelines, Transportmittel (Tankschiffe, Lkws, Eisenbahnwaggons) sowie Tanks und dementsprechend viel Zeit und Geld. Daher hat Henkel entschieden, sich auf das „Book & Claim“-System zu fokussieren. Dieses System trennt die Zertifikate für nachhaltig hergestelltes Palm- und Palmkernöl von den physischen Produktströmen. Henkel sieht in der Etablierung des „Book & Claim“-Systems für Palmkernöl großes Potenzial, bei allen beteiligten Marktteilnehmern schon kurzfristig signifikante Anreize für die nachhaltige Palmöl- und Palmkernölwirtschaft zu schaffen, so dass sich neue Märkte für nachhaltiges Palmkernöl öffnen können.

Wie funktioniert das „Book & Claim“-System?

Das „Book & Claim“-System basiert auf dem Handel mit Zertifikaten, die für eine entsprechende Menge an nachhaltig erzeugtem Palm- und Palmkernöl stehen. Die Zertifikate werden hierbei getrennt von den physischen Produktströmen gehandelt. Ein bekanntes Beispiel für ein derartiges Zertifikatsystem ist der Ökostrom, der in Deutschland nach ähnlichen Kriterien gehandelt wird. Das System ist verhältnismäßig einfach: Plantagen, die den strengen Bedingungen des RSPO genügen – und dazu zählt auch der Verzicht auf die großflächige Abholzung von Regenwäldern – erhalten Zertifikate für ihr nachhaltig hergestelltes Palm- und Palmkernöl. Für den Handel mit diesen Zertifikaten wurde eine spezielle Plattform gegründet. Betrieben wird diese durch die Firma GreenPalm. Die Produzenten von Palmöl registrieren auf der Handelsplattform von GreenPalm, wie viel von ihrem durch RSPO-Auditoren zertifizierten Palmöl sie verkaufen wollen. Auf Basis dieser Registrierung können die Zertifikate dann auf dem Markt gehandelt werden. Käufer der Zertifikate können durch den Kauf belegen, dass eine den Zertifikaten entsprechende Menge nachhaltig hergestellten Palmöls in die Lieferkette eingeflossen ist. Durch die Zertifikate ergeben sich damit auch für kleinere, nicht am internationalen Handel beteiligte Produzenten finanzielle Anreize, ihre Produktion nachhaltig zu gestalten. Henkel ist der Auffassung, dass das „Book & Claim“-System derzeit die besten Voraussetzungen für eine nachhaltige Palm- und Palmkernölwirtschaft bietet – unter der Voraussetzung, dass die Prozesse nachvollziehbar und transparent gestaltet werden.

Palmkernöl-Zertifikate für Terra Wasch- und Reinigungsmittel

Um das „Book & Claim“-System für Palmkernöl voranzutreiben und zu etablieren, hat Henkel als weltweit erstes Unternehmen das von Palmöl auf Palmkernöl ausgeweitete Zertifizierungssystem genutzt. Damit hat Henkel im Oktober 2008 als erstes Unternehmen dafür gesorgt, dass Palmkerne aus nachhaltig angebauten Palmen in die Lieferkette zur Herstellung von Tensiden einfließen konnten. Möglich wurde dies dadurch, dass der RSPO Kriterien für eine nachhaltige Palmölwirtschaft definiert hat und eine erste Palmölplantage nach diesen Kriterien anerkannt wurde.

Darauf aufbauend haben wir weitere Schritte zur Erreichung unseres Ziels eingeleitet. So sind seit 2010 auch die Waschmittel Le Chat Eco Efficacité in Frankreich und Persil Eco Power in Belgien sowie unsere Ecocert-zertifizierten Kosmetikprodukte durch entsprechende Palmkernöl-Zertifikate abgedeckt.

Mein Bericht