Bio- und Gentechnologie - Dauerbrenner in der Öffentlichkeit

Bei gesellschaftlichen Gruppen, die der Bio- und Gentechnologie bislang sehr kritisch gegenüberstanden, ist eine zunehmend differenziertere Bewertung der einzelnen Anwendungsgebiete zu beobachten. Henkel informiert offen darüber, welche Rolle Biotechnologie und Gentechnik im Unternehmen spielen und ob die bei Henkel betriebene Forschung sowie die genutzten Anwendungen als „verantwortbar“ einzustufen sind.

Biotechnologisch hergestellte Waschmittel-Enzyme

Foto Labor

Eine einzige, eng begrenzte, aber wichtige Gruppe von Rohstoffen stellt Henkel biotechnologisch selbst her und ist teilweise gentechnisch verändert: die Enzyme für Wasch- und Reinigungsmittel.

Enzyme sind unter anderem für den Stoffwechsel im pflanzlichen, tierischen und menschlichen Organismus lebenswichtig. Sie sorgen für den raschen Ablauf ganz bestimmter chemischer Reaktionen. So zerlegen Enzyme, die zur Klasse der Proteasen gehören, das mit der Nahrung aufgenommene Eiweiß in seine Grundbausteine, die Aminosäuren. Aus ihnen wird dann das spezifische körpereigene Eiweiß aufgebaut.

Enzyme sind Spezialisten, deren Fähigkeiten auch beim Waschen und maschinellen Spülen genutzt werden: Proteasen bauen gezielt eiweißhaltige Verschmutzungen ab, Lipasen stürzen sich auf die Fettflecken – und dies bereits bei niedrigen Waschtemperaturen. Deshalb sind Enzyme wichtige Inhaltsstoffe von Waschmitteln. Auf dem Lebensweg eines Waschmittels – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung in der Kläranlage – wird die meiste Energie beim Waschgang selbst verbraucht (siehe Ökobilanzdaten des Systems Waschen im Bereich Produkte). Und zwar bei hohen Waschtemperaturen erheblich mehr als bei niedrigen. Dass moderne Waschmittel heute bei niedrigen Temperaturen hervorragende Waschergebnisse liefern, ist zu einem erheblichen Teil das Verdienst der Enzyme.

Bestimmte Bakterien sind als natürlich vorkommende Mikroorganismen in der Lage, die für Waschmittel benötigten Enzyme als ein Stoffwechselprodukt zu bilden: vorausgesetzt, sie werden richtig ernährt und finden die von ihnen bevorzugten Umgebungsbedingungen vor. Die Biotechnologie hat dazu großtechnische Verfahren entwickelt. Die Bakterien wachsen und vermehren sich in wasserbefüllten, geschlossenen Rührbehältern, so genannten Fermentern. Durch eine exakte Steuerung unter anderem von Temperatur, Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr werden die optimalen Wachstumsbedingungen eingestellt und dadurch hohe Ausbeuten an Enzymen erzielt. Zum Schluss werden die Enzyme von den Bakterien abgetrennt. Damit die gewonnenen Enzyme gut und sicher verarbeitet werden können, werden mit Hilfsstoffen – beispielsweise Cellulosen, Stärke und Wachs – stabile Enzymgranulate hergestellt.

Gentechnik bei Henkel

In der Vergangenheit setzte Henkel unter anderem Proteasen ein, die auf klassischem Weg produziert wurden: Die Mikroorganismen, die man zur Proteaseherstellung benötigte, wurden aus der Natur isoliert und durch Selektion optimiert. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeiten die Gentechniker und Biotechnologen bei Henkel daran, die genetische Information hochwirksamer Proteasen auf besonders geeignete, bewährte Produktionsstämme zu übertragen. Dadurch können Enzyme von höherer Reinheit mit einem geringeren Verbrauch an Rohstoffen gewonnen werden. Weiterhin lassen sich durch Veränderung der genetischen Information besonders leistungsfähige Enzyme entwickeln.

Die Ökobilanz-Rechnung einer gentechnisch hergestellten Protease im Vergleich zum Vorgängertyp zeigt, dass allein schon bei der Herstellung der neuen Protease die Emissionen von Kohlendioxid sowie die organische Fracht im Abwasser insgesamt um mehr als 60 Prozent zurückgehen. Außerdem wird durch die Umstellung der Produktion auf den neuen Typ jährlich genauso viel Energie eingespart, wie für 11,5 Millionen Waschgänge bei 60 Grad Celsius mit modernen Haushaltswaschmaschinen benötigt wird.

Anlässlich einer Fachtagung, veranstaltet bereits Ende 1996 vom deutschen Umweltministerium in Bonn, hat der Präsident des deutschen Umweltbundesamts die Sicht seines Amts zur Biotechnologie erläutert. Er ging speziell auch auf Waschmittelenzyme ein und würdigte die durch sie erzielten Einsparungen im Energie- und Wasserverbrauch sowie den verminderten Eintrag waschaktiver Substanzen in die Umwelt. Er hob hervor: „Eine erhebliche zusätzliche Ressourcenschonung ist bei der Produktion zu verzeichnen, wenn die Enzyme nicht mehr mit klassischen biotechnischen, sondern mit gentechnischen Verfahren hergestellt werden.“

Hoher Sicherheitsstandard

Alle Fragen der Ethik in Zusammenhang mit Biotechnologie und Gentechnik behandelt Henkel mit hoher Aufmerksamkeit und großem Ernst. Das Arbeitsfeld von Henkel ist jedoch sehr weit entfernt von denjenigen Feldern der Gentechnik, die im Grenzbereich des ethisch Verantwortbaren liegen.

Henkel bekennt sich zu der bioethischen Charter des europäischen Biotechnologieverbands EuropaBio und hält sich an deren Vorgaben. Die neun Punkte dieser Charter decken die mit der Gentechnik verbundenen Aspekte ab – vom Verbot des Klonens von Menschen bis hin zum Technologietransfer zwischen den Industriestaaten und Entwicklungsländern und den dabei zu beachtenden Voraussetzungen.

Vier Sicherheitsstufen für den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen legt die zutreffende Rechtsverordnung der Europäischen Union fest. Die für die Herstellung von Enzymen verwendeten Mikroorganismen gehören ausnahmslos der niedrigsten Sicherheitsstufe an. Forschungslaboratorien und -technika bei Henkel sind so gebaut und ausgestattet, dass die Mikroorganismen auf keinen Fall in die gewonnenen Enzyme, ins Abwasser oder auf anderem Weg in die Umwelt gelangen können. Nachdem die Enzyme abgetrennt sind, wird die Biomasse sterilisiert, das heißt, die Mikroorganismen werden vollständig abgetötet.

Offene Informationen zur Gentechnik

Die Enzymgranulate für Wasch- und Reinigungsmittel von Henkel werden bei der Firma Biozym im österreichischen Kundl produziert, einem Gemeinschaftsunternehmen von Henkel und der Firma Sandoz. Die Fermentation, also die Anzucht der Mikroorganismen erfolgt bei der Firma. Sandoz, die Aufreinigung des Enzyms bei der Biozym. Der letzte Schritt besteht in der Konfektionierung zu staubfreien Granulaten oder Flüssigprodukten.

Auf den Packungen der Wasch- und Reinigungsmittel von Henkel sind die Enzyme deutlich deklariert. Im Rahmen von freiwilligen Vereinbarungen hat Henkel detaillierte und vertrauliche Informationen, die sogar Angaben über die Herstellung der eingesetzten Enzyme enthalten, bei den Behörden hinterlegt. Henkel hat Behörden, Verbraucher- und Umweltorganisationen sowie direkt die Verbraucher stets über die Bedeutung der Gentechnik und Biotechnologie bei der Herstellung von Enzymen informiert – durch Informationsbroschüren und Publikationen, zum Teil auch in Workshops.

Die Strategie von Henkel sieht vor, die Möglichkeiten der Bio- und Gentechnologie immer dann zu nutzen, wenn damit ein ökologischer Zugewinn, ein höherer Nutzen für die Verbraucher und ökonomische Vorteile für Henkel verbunden sind. Zwar ist zur Zeit in keiner Weise absehbar, dass sich die Henkel-Gentechniker bei der Erforschung neuer Anwendungsgebiete dem Grenzbereich des ethisch Verantwortbaren nähern könnten; trotzdem würde in der Zukunft vor einer möglichen Ausweitung der Gentechnik zuallererst dieser Gesichtspunkt gewissenhaft geprüft. Aufgrund der beschriebenen Vorteile und Möglichkeiten wird der Einsatz von Enzymen in Wasch- und Reinigungsmitteln als Paradebeispiel für die sinnvolle Nutzung der so genannten Weißen Biotechnologie betrachtet.

Weitere Inhaltsstoffe auf Basis von Weißer Biotechnologie

Neben Enzymen setzt Henkel in seinen Wasch- und Reinigungsmitteln auch weitere Inhaltstoffe ein, die mit Hilfe der Weißen Biotechnologie hergestellt wurden. Dazu gehören Biotenside und Zitronensäure. Henkel produzierte diese Inhaltsstoffe nicht selbst, sondern bezieht sie über seine Lieferanten. Biotenside werden waschaktive Substanzen genannt, die einen biologischen Ursprung haben. Tenside setzen sich zwischen Wasser- und Fettmoleküle und bewirken so, dass sich zum Beispiel Schmutzteilchen besser aus der Wäsche oder von Oberflächen entfernen lassen. Biotenside werden mit Hefen oder Bakterien aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Zitronensäure wird mit Hilfe eines speziellen Pilzes industriell produziert.

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