Im Dialog mit Nachhaltigkeitsexperten

Der Austausch mit international anerkannten Nachhaltigkeitsexperten spielt im Rahmen des Dialogs mit Stakeholdern eine besondere Rolle.

Dialog mit internationalen Experten

Der Austausch mit internationalen Nachhaltigkeitsexperten hilft uns bei der Ausrichtung unserer Aktivitäten auf nachhaltiges Wirtschaften. Auch 2010 kamen in vielen Ländern Henkel-Vertreter mit Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum Dialog zusammen. 

Foto Kuratorium des Global Institute of Sustainability der Arizona State University

Im Juni 2010 traf sich das Kuratorium des Global Institute of Sustainability der Arizona State University, USA, bei Henkel in Düsseldorf. Unter dem Motto „Nachhaltigkeit als globale Aufgabe“ diskutierten Experten aus Industrie, Handel, Wissenschaft und Politik über dieses Thema.

Für die Nachhaltigkeitsberichte 2004 und 2005 haben wir Experten aus Brasilien, China, Deutschland, Indien, Italien, Mexiko, Russland, Ungarn und den USA gebeten, die Herausforderungen und Prioritäten in ihren Ländern und Regionen darzustellen. Im Jahr 2007 haben wir den regionalen Dialog mit dem Experten Dr. Allen White vom Tellus Institute in Boston, Massachusetts, USA, fortgesetzt. Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitspressekonferenz im März 2007 in Düsseldorf diskutierte White gemeinsam mit Brad Caspar, President und Chief Executive Officer unserer Tochtergesellschaft The Dial Corporation, die aktuelle Entwicklung rund um Nachhaltigkeit in den USA. Erstmalig luden wir im Jahr 2008 den Experten John Elkington, Gründer des Beratungsunternehmens SustainAbility, London, zu einem Workshop nach Düsseldorf ein. John Elkington erläuterte im Anschluss an seinen Vortrag vor  Nachhaltigkeitsexperten von Henkel die aktuellen Herausforderungen, die mit dem Thema Nachhaltigkeit verbunden sind. Diskutiert wurden außerdem die Chancen und Risiken einer stärkeren Kommunikation unserer Nachhaltigkeitsaktivitäten in den operativen Geschäften und auf Markenebene. In einem Workshop im Dezember 2010 wurde in einer internationalen Expertenrunde die neue strategische Ausrichtung des Unternehmens in punkto Nachhaltigkeit diskutiert.

Die Experten haben wir zum einen aufgrund ihres Überblicks über die Herausforderungen in ihren Ländern ausgewählt, zum anderen aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen. Der Dialog hilft uns, unsere Ausrichtung auf nachhaltiges und gesellschaftlich verantwortliches Wirtschaften an den externen Erwartungen in den verschiedenen Regionen zu spiegeln und die richtigen Antworten zu finden – besonders, wenn es darum geht, auf lokaler Ebene angemessene Lösungen zu entwickeln.

Ergebnisse des Expertendialogs

Zusammengefasst präsentieren die Beiträge der Experten ein ausgewogenes Bild der Schlüsselthemen in Schwellen- sowie in Industrieländern. Es wird deutlich, dass viele der Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung über Ländergrenzen hinweg ähnlich sind; die Prioritäten und Perspektiven sind jedoch regional sehr unterschiedlich. So wird insbesondere in Schwellenländern von multinationalen Unternehmen erwartet, dass sie zur Entwicklung des Landes beitragen. In den Industrieländern entwickelt sich dagegen zunehmend der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit zu einer zentralen Herausforderung. Die Tabelle präsentiert die Ergebnisse des Expertendialogs in komprimierter Form und bietet konkrete Beispiele der unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Auf Basis der Dialogergebnisse haben wir unseren Nachhaltigkeitsbericht weiterentwickelt. Die neue Berichtsstruktur orientiert sich direkt an den im Dialog identifizierten Schlüsselthemen und stellt die Antworten des Unternehmens auf die verschiedenen regionalen und globalen Herausforderungen dar. Dieser Ansatz soll noch deutlicher zeigen, wie wir unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung leisten.

Schlüsselthemen Erwartungen in Industrieländern Erwartungen in Schwellenländern
Wirtschaftliche Entwicklung
  • Eigene Wettbewerbsfähigkeit erhalten und Schwellenländern Entwicklungsmöglichkeiten bieten
  • Zur Entwicklung des eigenen Landes beitragen, insbesondere auch in strukturschwachen Regionen
Werte und Management
  • Umwelt- und Sozialstandards entlang der Wertschöpfungskette umsetzen, insbesondere bei Zulieferern
  • Transparenz über ökonomische, ökologische und soziale Aspekte der Unternehmensaktivitäten herstellen, insbesondere in Schwellenländern Einsatz für Menschenrechte
  • Ethisch und rechtlich einwandfreies Handeln
  • Hohe Umwelt- und Sozialstandards etablieren und als Vorbild Einfluss auf Zulieferer und Wettbewerber nehmen
  • Unterstützung beim Aufbau von Managementkompetenzen und Institutionen
Produkte und Marketing
  • Produktsicherheit gewährleisten
  • Qualitätsprodukte zu fairen Preisen anbieten
  • Nachhaltigen Konsum durch ethisch und ökologisch einwandfreie Produkte sowie die Information und Sensibilität der Kunden fördern
  • Qualitätsprodukte für den „unteren Bereich der Wohlstandspyramide“ entwickeln und vermarkten
  • Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Produkte gewährleisten
  • Kulturellen und gesellschaftlichen Kontext berücksichtigen
Ressourceneffizienz und Klimaschutz
  • Verstärkter Fokus auf Produkten: „Dematerialisierung“ der Wirtschaft durch Wechsel von produkt- zu servicebasierten Geschäftsmodellen
  • Beitrag zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen
  • Transfer von Know-how sowie moderner, energie- und ressourcenschonender Technologien
  • Befriedigung der steigenden Bedürfnisse der Verbraucher mit Produkten, die begrenzte Ressourcen effizient nutzen
Mitarbeiter und Arbeitsplätze
  • Durch die Förderung und Qualifizierung der Mitarbeiter zur Sicherheit der Arbeitsplätze beitragen
  • Herausforderungen wie Chancengleichheit und alternde Gesellschaften aktiv angehen
  • Arbeitsplätze schaffen und Mitarbeiter qualifizieren
  • Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz gewährleisten
  • Bewusstsein der Mitarbeiter für den Umweltschutz fördern und entwickeln
Gesellschaftliches Engagement
  • Beitrag zu den Millennium Development Goals der Vereinten Nationen
  • Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Probleme, auch durch Förderung des gemeinnützigen Engagements der Mitarbeiter
  • Unterstützung und Förderung insbesondere von benachteiligten Kindern und Jugendlichen
  • Sensibilisierung der Bevölkerung für den Umweltschutz
  • Förderung der Bildung und Forschung für eine nachhaltige Entwicklung

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Die obige Tabelle präsentiert die Ergebnisse des Expertendialogs in komprimierter Form und bietet konkrete Beispiele der unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Die ausführlichen Statements der Experten können im Folgenden eingesehen werden:

Prof. Dr. Marco Frey

Prof. Dr. Marco Frey | Centre for Research on Energy

Die italienischen Verbraucher entwickeln ein immer stärkeres Bewusstsein für Umweltfragen und Produktsicherheit. Dennoch ist derzeit nur eine Minderheit bereit, für umweltfreundliche Produkte einen höheren Preis zu zahlen. Allerdings kann Henkel sich durch sein gesellschaftliches Engagement gegenüber dem Wettbewerb abgrenzen und seinen Ruf stärken. Speziell für Italien bedeutet dies:

  • Sicherstellung der Basis für die kontinuierliche Wertschöpfung in Italien bei gleichzeitiger Schaffung von Entwicklungschancen für Schwellenländer,
  • Auseinandersetzung mit möglichen Menschenrechtsverletzungen in Entwicklungsländern und
  • Engagement für die Lösung sozialer Probleme wie demographischer Wandel, Erhaltung der Vielfalt und Beschäftigungsstabilität.

Diese Verantwortung muss in lokale Aktivitäten umgesetzt werden. Aus italienischer Sicht sind hierbei zwei Faktoren besonders wichtig:

  • Einbindung der Mitarbeiter in die Festlegung der erforderlichen Maßnahmen und Ermöglichung ihrer Beteiligung an Projekten zur Lösung sozialer Probleme in ihrer Nachbarschaft und
  • Lösung von Problemen durch freiwilliges Engagement und Partnerschaften mit Nichtregierungsorganisationen, insbesondere dort, wo gemeinsame Interessensgebiete definiert werden können.

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Prof. Dr. István Láng

Prof. Dr. István Láng | Mitglied der Ungarischen Akademie

Alle Wirtschaftsteilnehmer müssen die nachhaltige Entwicklung sowohl in ihre Strategien als auch in ihr Verhalten integrieren, um dieses Ziel zu erreichen.

Da bei der Lösung von Umweltproblemen stets auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung zu berücksichtigen ist, müssen die Ressourcen- und Energieanforderungen der Industrie mit den Umweltschutzinteressen in Einklang gebracht werden.

In den letzten Jahren wurde die Aufmerksamkeit verstärkt auf die menschlichen Aspekte der nachhaltigen Entwicklung gelenkt: Lebensweise und -qualität, Bewusstsein, Werte, Traditionen und Gesundheit. Auch Arbeitsplatzerhalt und die Achtung vor den Menschenrechten und den demokratischen Institutionen sind für eine nachhaltige Entwicklung wichtig.

In Ungarn ist die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Entwicklung umweltfreundlicher Industriebetriebe in den weniger entwickelten Regionen von besonderer Bedeutung.

Ohne eine radikale und dauerhafte Änderung der gegenwärtigen Verhaltensweisen wird sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr lange aufrechterhalten lassen. Allerdings wird eine Veränderung zum Positiven eine längere Übergangsphase erfordern, und wir müssen einen Fortschritt in kleinen Schritten akzeptieren – solange die Richtung stimmt.

Der Übergangsprozess hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft wird in Ungarn sicherlich mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen – und die Schüler und Studenten von heute werden die Aufgabe haben, ihn zu gestalten und umzusetzen. Deshalb sollten alle, die einen positiven Beitrag zu diesem Prozess leisten wollen, Bildung und Ausbildung auf Schul- und Universitätsebene unterstützen und an der Erforschung umweltfreundlicher Produkte und Lebensweisen für zukünftige Generationen arbeiten.

Denn das Denken und Verhalten der Menschen und die ständige Erweiterung ihres Wissens sind letztlich die entscheidenden Faktoren für die Schaffung einer nachhaltigen Gesellschaft.

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Prof. Dr. Peng Sizhen

Prof. Dr. Peng Sizhen | Direktor, Center for Environmentally Sound Technology Transfer, Beijing, China

In den letzten 20 Jahren war China von rapidem Wirtschaftswachstum und einer dramatischen Zunahme der Industrialisierung und Urbanisierung geprägt. Diese Entwicklung erfolgte unter massivem Einsatz begrenzter Ressourcen und hat schwere Umweltschäden verursacht. Eine ökonomisch, sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung ist daher der einzige mögliche Weg, um die drei großen Herausforderungen – enorme Bevölkerungszahl, Ressourcenknappheit und Umweltverschmutzung – zu bewältigen.

Die Direktinvestitionen von Henkel in China stärken den lokalen Kapitalmarkt, bringen fortschrittliche Produktionstechnologien ins Land, bieten qualitativ hochwertige Produkte und schaffen Arbeitsplätze an den chinesischen Standorten.

Als multinationales Unternehmen könnte Henkel in China mit folgenden Maßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung des Landes beitragen und gleichzeitig seine gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmen wahrnehmen:

  • Betrieb von effizienten und sicheren Produktionsanlagen und Ausweitung des Kreislaufwirtschaftskonzepts von den Anlagen auf den Lebenszyklus der Produkte und Nebenprodukte.
  • Entwicklung sicherer und umweltfreundlicher Produkte sowie Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für nachhaltige Verhaltensweisen durch seine Produkte und durch aktive Kommunikation.
  • Kontinuierliche Weiterbildung seiner Mitarbeiter in Bezug auf umweltfreundliche und sichere Produktion und Jugendbildung zum Thema nachhaltige Entwicklung.
  • Bereitstellung von Informationen zu umweltfreundlichen Verfahren und Praktiken für Lieferanten und Kunden von Henkel, um – insbesondere für nationale Klein- und Mittelständige Unternehmen (KMU) vor Ort – die Vorteile der Ökoeffizienz aufzuzeigen, und Vermittlung nachhaltiger Geschäftsstrategien.
  • Zusammenarbeit mit allen Interessensgruppen und Partnern, um entscheidende Probleme wie Armut, globale Erwärmung, sinkende Biodiversität und Ozonabnahme zu bekämpfen.

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Prof. Alejandro Sosa

Prof. Alejandro Sosa | Director, Global Environmental Management Initiative (GEMI), Mexiko

Mexiko erlebt zurzeit eine Phase des tiefgreifenden Wandels: Die Wirtschaft öffnet sich immer stärker nach außen, und ausländische Direktinvestitionen fließen in großem Umfang ins Land. Mexiko hat in Umweltbelangen gute Fortschritte erzielt, auch wenn der rechtliche Rahmen noch einer weiteren Feinabstimmung bedarf. Darüber hinaus müssen Zentral- und Nordmexiko unbedingt sorgsamer mit ihren knappen Wasserressourcen umgehen. Mexiko sieht sich auch von einigen sehr ernsten sozialen Problemen bedroht: mangelnde öffentliche Sicherheit, Arbeitslosigkeit und fehlender politischer Konsens bei den wichtigsten politischen Reformen.

Henkel kann einen sehr entscheidenden Beitrag zur Lösung dieser Herausforderungen leisten, indem das Unternehmen mit seinen Aktivitäten auf die vielfältigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedürfnisse in Mexiko eingeht:

  • Förderung von Innovation, Wissens- und Technologietransfer zu sicheren, umweltfreundlichen Produkten und zur besseren Nutzung der endlichen Ressourcen.
  • Gewährleistung von fairen und sicheren Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer, Verbesserung ihrer Lebensqualität und Beitrag zur Weiterentwicklung des „menschlichen Kapitals“.
  • Aufrechterhaltung der ethischen Grundsätze, durch die sich das Unternehmen bisher ausgezeichnet hat, Achtung der Menschenrechte und positive Beeinflussung der gesellschaftlichen Entwicklung im Umfeld der Standorte durch das eigene Beispiel.
  • Schaffung von Mehrwert und Stärkung des Firmenrufs in aller Welt bei gleichzeitiger Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung an den Standorten als aktiver Mitbürger, und sich nicht bloß als „Einwohner“ zu verhalten.
  • Verbesserung der Ökobilanz seiner Produkte über den gesamten Lebenszyklus, Förderung integrierter Lösungen und sorgsamer Einsatz der endlichen Ressourcen.

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Dr. Allen White

Dr. Allen White | Vizepräsident und Mitglied des Vorstands, Tellus Institut, Boston, Massachusetts, USA

„Vertrauen ist schwer zu gewinnen“, aber schnell wieder verspielt. Dies gilt in besonderem Maße für Unternehmen mit starken Produktlinien in den Bereichen Wasch-/Reinigungsmittel und Körperpflege: Hier herrscht enormer Wettbewerb, die Produktauswahl ist groß, und der Ruf eines Unternehmens ist der entscheidende Faktor für die Kundentreue.

In den nächsten zehn Jahren werden sich diese Unternehmen mit einigen Schlüsselthemen, die im US-Geschäft von besonderer Bedeutung sind, verstärkt auseinandersetzen müssen:

  • Transparenz: Erwartungen und Pflichten hinsichtlich der Veröffentlichung von Informationen, die über die reinen Finanzdaten hinausgehen, werden wachsen; über Umweltfragen hinaus werden dabei auch soziale, wirtschaftliche und Führungsaspekte im Unternehmen eine Rolle spielen.
  • Produktsicherheit: Ein Dauerthema bei Chemie- und Gesundheitsprodukten. Hier hat es in der Vergangenheit immer wieder plötzliche und unvorhergesehene Entwicklungen gegeben.
  • Arbeitsplatzqualität und -sicherheit: Unternehmen, die es mit der Förderung ihres „menschlichen Kapitals“ ernst meinen, müssen Worten Taten folgen lassen. Dazu gehören Aus- und Weiterbildung, angemessene Gehälter, Gewinnbeteiligungen und weitere Maßnahmen, sowohl um die Verantwortung des Unternehmens wahrzunehmen als auch Wettbewerbsvorteile zu erzielen, zum Beispiel wenn es darum geht, Spitzenmitarbeiter zu gewinnen, zu fördern und auf Dauer zu halten.
  • Wechsel von produkt- zu servicebasierten Geschäftsmodellen: Serviceorientierte Geschäftsmodelle, in denen Wissen physischen Input ersetzt, weisen den Weg in Richtung „Dematerialisierung“ der Produktion sowohl von Industrie- also auch von Konsumgütern.
  • Die „Millennium Development Goals“ der Vereinten Nationen: Unternehmen sollten sich fragen, ob das, was sie produzieren – und wie sie produzieren –, zur Erreichung dieser Ziele im nationalen und weltweiten Kontext beiträgt.

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Dr. P. D. Jose

Dr. P. D. Jose | Professor Corporate Strategy and Policy Area, Indian Institute of Management Bangalore, Indien

Erfolgreiche Unternehmen können nur in nachhaltig erfolgreichen Gesellschaften existieren. Produkte von Henkel können einen Wandel in nationalen Kulturen bewirken, denn sie haben Einfluss auf Lebensstil, Erwartungen und nachhaltiges Wirtschaften. Der zukünftige Erfolg von Henkel wird davon abhängen, ob das Unternehmen in der Lage ist, seine Produkte und Dienstleistungen durch Innovationen so weiterzuentwickeln, dass sie das Leben der Menschen leichter, besser und schöner machen – und dies in einer Weise, die Rücksicht auf die verschiedenen Kulturen nimmt und wirtschaftlich erfolgreich ist.

Daraus ergibt sich eine Reihe strategischer Herausforderungen, die auch die größten für Henkel sind:

  • Mehr als eine halbe Milliarde Menschen, die überwiegende Mehrheit mit niedriger Kaufkraft, bilden den unteren Bereich der Wohlstandspyramide. Dort bieten sich neue Möglichkeiten mit innovativen, umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Produkten, die auch den kulturellen und gesellschaftlichen Kontext berücksichtigen.
  • Produktverantwortung: Bewertung der soziologischen, ökologischen und toxikologischen Aspekte der Geschäftsprozesse, Produkte sowie Rohstoffe in der gesamten globalen Wertschöpfungskette und Einbindung sozialer und umweltschutzbezogener Parameter in Produktentwicklung und Entscheidungen zum Produktmarketing.
  • Schaffung von „Best-in-Class-Practices“, die den indischen Anforderungen entsprechen, sowie Kommunikation mit den relevanten Interessengruppen mit dem Ziel, die Geschäftsprozesse und Verhaltensweisen bei Henkel an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen. Sowohl die Erwartungen der Gesellschaft als auch nationale Standards im Hinblick auf Umweltschutzanforderungen und soziale Bedürfnisse sollten übertroffen werden.
  • Unterstützung beim Aufbau von Kapazitäten und Technologietransfer durch partnerschaftliche Zusammenarbeit und Verbreitung von Best Practices in der gesamten Wertschöpfungskette, um die Leistungsfähigkeit von Lieferanten und Wettbewerbern zu stärken, ohne den Wettbewerbsvorteil von Henkel zu gefährden.

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Henrique B. Cavalcanti

Henrique B. Cavalcanti | Präsident von FUNATURA, Brasilia, Brasilien, ehemaliger brasilianischer Minister für Umwelt und den Amazonas, Vorsitzender der 3. Sitzung der UN-Kommission für Nachhaltige Entwicklung, 1995

Das Unternehmen als „guter Bürger“ und aktiver Teil der Gesellschaft: Seine Rechte und Pflichten in den einzelnen Ländern wahrzunehmen, ist die vielleicht größte Herausforderung für ein multinationales Unternehmen.

Als guter Bürger sollte ein Unternehmen nachhaltig, wettbewerbsfähig und gewinnbringend arbeiten und durch seine Aktivitäten zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft und zum Umweltschutz im jeweiligen Umfeld beitragen.

Bei der Wahrnehmung seiner Rechte als Unternehmen sollte Henkel seine führende Rolle unter Beweis stellen und Schwierigkeiten, die sich aus den institutionellen Gegebenheiten je nach Entwicklungsstand des jeweiligen Landes ergeben, rechtlich und ethisch einwandfrei überwinden. In Brasilien wären die Schwerpunkte wie folgt zu setzen:

  • Stärkung des nationalen Kapitalmarktes;
  • Festlegung hoher Standards für Lieferanten und Dienstleister; Entwicklung von Strategien, um alle Einkommensgruppen und Regionen mit Qualitätsprodukten zu erreichen.

In Erfüllung seiner Pflichten gegenüber der Gesellschaft sollte Henkel ein Maßnahmenpaket entwickeln, das zum Gemeinwohl beiträgt und gleichzeitig das Unternehmensprofil stärkt. In Brasilien könnte dies die folgenden Punkte betreffen:

  • Information der Verbraucher über nachhaltige Verhaltensweisen,
  • Einsatz erneuerbarer Ressourcen und Reduzierung des Wasserverbrauchs im Produktionsprozess,
  • Unterstützung der Jugend – speziell in den besonders benachteiligten Stadtteilen – durch Ausbildungs- und Sportinitiativen sowie
  • strenge Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz, im Transportwesen und bei der Produktanwendung und -entsorgung.

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Christian Hochfeld

Christian Hochfeld | Stellvertretender Geschäftsführer, Öko-Institut e.V., Büro Berlin

Gesellschaftliche Herausforderungen als Motor für nachhaltige Produktinnovationen erkennen und nutzen. Unternehmen wie Henkel werden in Zukunft von ihren Anspruchsgruppen in Europa stärker an ihrem Beitrag zum Erreichen globaler Ziele einer nachhaltigen Entwicklung gemessen. Wir sehen dabei prioritäre Aufgaben:

  • Chancen und Risiken einer nachhaltigen Entwicklung sind mit neuen Bewertungsverfahren routinemäßig in die Portfolioanalyse und Produktentwicklung zu integrieren. Sie sind die Voraussetzung für Innovationen, die eine nachhaltige Entwicklung in den Absatzmärkten fördern und gleichzeitig den langfristigen unternehmerischen Erfolg sichern.
  • In Schwellen- und Entwicklungsländern sollte Henkel neue Koalitionen mit internationalen Institutionen und öffentlichen Einrichtungen suchen, um mit ihren Produkten und Dienstleistungen im Sinn der „Millenium Development Goals“ der Vereinten Nationen gleichzeitig Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten zu können.
  • Über Initiativen zum nachhaltigen Konsum sehen wir in den Märkten der Europäischen Union und anderer Industrienationen große Potenziale, um die Kunden zu sensibilisieren und mit nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen erfolgreich zu sein.
  • Mit Blick auf globalisierte Wertschöpfungsketten hat Henkel die Verantwortung, hohe Umwelt- und Sozialstandards bei den Zulieferern zu fördern, auch um die Nachhaltigkeitsperformance der Henkel-Produkte ganzheitlich zu optimieren. Die Zulieferer sind dafür systematisch zu bewerten, auszuwählen und zu qualifizieren.
Dr. Mikhail Kozeltsev

Dr. Mikhail Kozeltsev | Executive Director, Russian Regional Environmental Center (RREC), Moskau, Russland

Nationale Herausforderungen annehmen und dadurch in der Gesellschaft Vertrauen aufbauen. Auf seinem schwierigen Weg zur Demokratie und Marktwirtschaft steht Russland vor einigen sozialen und umweltbezogenen Herausforderungen, die die gesamte russische Gesellschaft gefährden könnten. Ausländische Unternehmen, die in Russland tätig sind, müssen sich daher mit einer Reihe wichtiger Fragen zur Nachhaltigkeit auseinandersetzen:

  • Armut stellt wohl die größte Herausforderung für die russische Gesellschaft dar. Unternehmen sollten sichere Arbeitsplätze bieten und für das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter sorgen. Eine gut entwickelte Unternehmenspolitik der sozialen Verantwortung, die sich der Bedürftigen, und insbesondere der Kinder, in den verschiedenen russischen Regionen annimmt, wird öffentliche Anerkennung finden.
  • Es fehlt an Investitionsbereitschaft in den Branchen, die nicht im Zusammenhang mit der Gewinnung von Bodenschätzen stehen. Der Transfer moderner und energiesparender Technologien in diese Branchen ist von entscheidender Bedeutung.
  • Die starken Unterschiede in der regionalen Entwicklung sind eine der größten Bedrohungen für die Einheit Russlands. Die gezielte Ansiedlung von Produktionsbetrieben könnte ausgleichend wirken und zu einer dynamischeren Entwicklung in stagnierenden Regionen beitragen.
  • Der Kampf gegen Klimaveränderungen wird in den kommenden Jahrzehnten immer wichtiger werden. Positive Trends im Umweltschutz sollten durch die Einführung fortschrittlicher Umweltmanagementverfahren gefestigt werden. Unternehmen sollten sich im Rahmen von „Joint Implementation Projects“ verstärkt um die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen bemühen.
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